Vista Nr. 4, Juni-Juli 2010
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Schweissflecken Wenn das Schwitzen zum Problem wird Schwitzen reguliert die Körpertemperatur und ist für den Menschen lebenswichtig. Wer jedoch ohne Grund vermehrt Schweissausbrüche erleidet, sollte der Sache auf den Grund gehen. Starkes Schwitzen kann eine krankhafte Ursache haben. Es kommt meist ungelegen, ist unangenehm und kaum zu verbergen. Ob beim Geschäftsmeeting, bei Kundenbesuchen oder beim Einkaufen – für viele Menschen wird das Schwitzen zum Problem. Es kann den gesamten Körper betreffen oder nur bestimmte Körperstellen, wie z.B. Hände, Füsse oder die Achseln. Der Schweiss rinnt durch unzählige Schweissdrüsen am Körper und hinterlässt seine Spuren. Sobald sich auf der Kleidung unangenehme Schweissflecken bilden, würden Betroffene am liebsten im Boden versinken. Gerade in angespannten Situationen wird es meist noch schlimmer. Schwitzen ist aber nicht gleich Schwitzen; es kann verschiedene Ursachen haben. «In erster Linie ist Schwitzen für den Körper wichtig, weil es die Körpertemperatur reguliert», erklärt Dermatologe Dr. med. Stefan Dommann. «Die Verdunstung des Schweisses reguliert die Wärme auf der Hautoberfläche. Wenn es wärmer wird, schwitzen wir auch mehr.» Darüber hinaus hat der Schweiss eine Barrierefunktion für die Haut. «Gerade in der Achselhöhle bildet der Schweiss durch seinen Säureschutzmantel eine natürliche Abwehr gegen Krankheitserreger.» Unangenehme Gerüche Die Befeuchtung der Haut und die Wärmeregulation sind die wichtigsten Funktionen der Schweissdrüsen. «Die ekkrinen Schweissdrüsen (Ekkrin = nach aussen hin absondernd) bedecken fast die gesamte Hautoberfläche. Die apokrinen Schweissdrüsen, auch Duftdrüsen genannt, kommen nur an bestimmten Hautstellen vor, wie etwa der Achselhöhle, den Brustwarzen und im Genitalbereich.» Gerade unter den Achseln ist Schweiss besser spürbar und sichtbar, weil die Haut direkt auf der Haut liegt. Nicht selten kommt es zu unangenehmen Gerüchen. «Wenn die Achseln sehr stark mit Bakterien befallen sind, entsteht durch die Zersetzung dieser Bakterien ein streng riechender Schweissgeruch.» Bei einer bakteriellen Besiedelung greifen in erster Linie grundlegende hygienische Massnahmen. Dr. Dommann rät Betroffenen: «Achselhaare entfernen, weil sich dort vermehrt Bakterien sammeln; sich gründlich waschen und erst dann Deo mit Antitranspirantien auftragen.» Mittel gegen das Schwitzen Es gibt zahlreiche Mittel gegen das Schwitzen, angefangen von Antitranspirantien und Deos in unterschiedlichen Darreichungsformen, sei es als Stick, Roll-on oder Spray. «Antitranspirantien unterscheiden sich grundsätzlich von herkömmlichen Deos, da Erstere Substanzen gegen das Schwitzen enthalten. Ein gutes Deo enthält neben Parfum auch Antitranspirantien. Es gibt aber auch Deos, die ausschliesslich aus Parfumstoffen bestehen», betont Dr. Dommann. «Wer reine Deos auf die betroffene Stelle aufträgt, schwitzt daher trotzdem weiter. Nur ein Antitranspirant oder ein kombiniertes Produkt kann die Schweissbildung nachweislich mindern.» Bei der Wahl des Deos sollte jeder darauf achten, ob es auch Antitranspirantien enthält, wobei die meisten Deos heute kombiniert sind. Empfindliche Menschen können durch chemische Parfumstoffe Hautirritationen bekommen. Produkte ohne Parfumstoffe sind gerade bei sensibler Haut besser verträglich. Ursachen bei übermässigem Schwitzen Gewöhnlich schwitzt der Mensch nach körperlicher Anstrengung oder sobald es heisser wird. Darüber hinaus können Menschen auch ohne besonderen Grund übermässige Schweissausbrüche erleiden. Die Rede ist von der sogenannten Hyperhidrose. Es gibt zwei verschiedene Formen: die primäre und die sekundäre Hyperhidrose. «Die primäre Hyperhidrose ist nicht willentlich kontrollierbar und beginnt meist unter 25 Jahren. Oft liegt eine familiäre Häufung vor. Die sekundäre Form ist krankheitsbedingt und kann durch Diabetes, Wechseljahrbeschwerden, Schilddrüsenprobleme, Medikamente wie etwa Betablocker, Cortison und Psychopharmaka, aber auch durch Übergewicht sowie Alkohol- und Nikotinkonsum begünstigt werden», betont der Dermatologe. Schwitzen kann also auch eine krankhafte Ursache haben. Mögliche Behandlungsformen Wenn die grundlegende Körperhygiene keine Besserung bringt, empfiehlt Dr. Dommann, je nach Ausmass der Erkrankung, drei Behandlungsstufen. Stufe I beinhaltet das Auftragen einer Aluminiumhydroxidlösung (15–20%) in den Achselhöhlen. Zu Beginn sollten Betroffene das rezeptpflichtige Präparat jeden Abend und je nach Behandlungserfolg später noch wöchentlich auftragen. «Die Aluminiumhydroxidlösung kann anfangs zu Rötungen und Reizungen führen. Mit der Zeit verengen sich die Schweissdrüsen, Betroffene schwitzen weniger. Viele Patienten haben gute Resultate damit erzielt», bestätigt der Hautarzt. Wenn nach vier Monaten keine Besserung eintritt, erfolgt in Stufe II entweder die Behandlung mit einem schwachen elektrischen Gleichstrom, der sogenannten Iontophorese, oder mit Botulimumtoxin A. «Diese Behandlungsformen sind allerdings nur für Patienten gedacht, die wirklich viel schwitzen und täglich zwei bis drei Hemden benötigen.» Bei erster Variante werden die betroffenen Körperteile in einem Wasserbad mit Gleichstrom durchflossen. «Der Gleichstrom führt zu einer Verengung der Schweissdrüsenausgänge.» Die Behandlung muss in regelmässigen Abständen wiederholt werden. In der zweiten Variante blockiert das Spritzen des Nervengifts Botulimumtoxin A in die Achselhöhle die Zellen, die für das Schwitzen verantwortlich sind, und vermindert dadurch die Schweisssekretion. Die Wirkung hält rund 6 bis 12 Monate an und muss anschliessend wiederholt werden. Will nichts helfen, folgt in seltenen Fällen in Stufe III die Operation. «Es gibt verschiedene operative Verfahren, um das übermässige Schwitzen einzudämmen. Entweder kann der Sympatikus-Nerv gezielt durchtrennt oder die Schweissdrüsen operativ entfernt werden.» Während Hyperhidrosepatienten ihre Schweissausbrüche nicht steuern können, haben gesunde Menschen die Möglichkeit, den Stress und die in angespannten Situationen auftretenden Schweissausbrüche mit autogenem Training zu mindern. Dr. med. Stefan Dommann, Facharzt FMH Dermatologie und Venerologie, Phlebologie S.G.P. und Lasermedizin FMS in Feldmeilen. |








