Vista Nr. 4, Juni-Juli 2010
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Magen im Aufstand Bloss nicht sauer werden Stress und üppiges Essen können zu unangenehmen Magenbeschwerden führen. Im Interview mit einer Fachfrau geht «Vista» den Fragen nach, wie Magenbrennen, saures Aufstossen und Co. entstehen – und was dagegen hilft. Wer kennt sie nicht, die Magenbeschwerden: Magendrücken, Blähungen und Krämpfe bis hin zu saurem Aufstossen, an dem allein rund 20 Prozent der Bevölkerung ab und zu leiden. Ein sogenannt übersäuerter Magen kann diese Beschwerden auslösen. Was ist darunter zu verstehen? Von einem übersäuerten Magen spricht man, wenn der Magen zu viel Säure für die Verdauung der Mahlzeiten produziert. Der pH-Wert sinkt, die Magenschleimhaut leidet. Als Folge von üppigem Essen und anderen Faktoren – etwa zu enger Kleidung und dem Konsum von Alkohol und Nikotin – kommt es zu saurem Aufstossen oder Magenbrennen. Nikotin wirkt sich doppelt negativ aus. Es «lähmt» den Schliessmuskel, zwischen Magen und Speiseröhre, was dazu führen kann, dass der Mageninhalt später im Bett in die Speiseröhre schwappt. Heute muss es schnell gehen beim Essen. Beinahe an jeder Ecke stehen Imbissbuden und Filialen der Kette mit dem grossen «M». Ihre Gäste: Gestresste Arbeitgeber und -nehmer. Leiden diese Personengruppen vermehrt an Magenübersäuerung? Das trifft zu, sie sind unter Zeitdruck, essen schnell, oft unausgewogen und nehmen zu wenig Gemüse zu sich. Der Fettanteil der Mahlzeiten ist dagegen (zu) hoch. Ich will Fastfood aber nicht verteufeln. Wer zum Beispiel zur falschen Zeit, abends, ein üppiges 4-Gang-Menü isst, ist auch nicht vor Magenbeschwerden gefeit. Grundsätzlich lässt sich sagen: Alles, was nicht im Masse konsumiert wird, ist suboptimal. Kann eine Ernährungsumstellung den Magen wieder ins Gleichgewicht bringen? Natürlich, doch eine Umstellung der Ernährung ist mit Aufwand verbunden. Das Hauptproblem: Viele Leute haben keine Zeit mehr, sich an die Empfehlungen aus der Gesundheitsbranche zu halten. Fünfmal am Tag Früchte und Gemüse und dreimal täglich Milchprodukte zu essen, will geplant sein. Welche Nahrungsmittel beugen einer Magenübersäuerung vor? Grundsätzlich kann man sagen, dass dem Magen gut tut, was Schonkost ist. Also jene Mahlzeiten, die man einem Baby nach der Milch verabreicht. Kartoffeln, Rüebli, Fenchel, Reis und Haferschleim, alles, was die Magenschleimhaut stärkt und wenig belastet. Muss denn jemand, der an Magenbeschwerden leidet, gleich seine Ernährung umstellen? Personen, die gelegentlich auswärts essen gehen und wissen, dass sie «zuschlagen» werden, können auf ein Medikament zurückgreifen, welches die Magensäure neutralisiert und so Beschwerden nach dem Essen und später in der Nacht verhindern. Personen, die immer wieder Magenbeschwerden haben oder viel auswärts essen, können ebenfalls mit Medikamenten ihr Leiden lindern – oder eben mit einer Umstellung der Ernährung. Wirken alle uns bekannten und in der Werbung oft empfohlenen Medikamente gleich? Es gibt unterschiedliche Wirkweisen: Bei kurzfristigen Beschwerden ist die Einnahme eines Antacidums zu empfehlen. Dieses neutralisiert die Magensäure und bringt schnelle, kurzfristige Erleichterung. Es ist dann angezeigt, wenn man weiss, schlecht gegessen zu haben. In einer Stressphase, in der alles ein wenig zu viel wird und man den Lebenswandel nicht umstellen kann, greift man besser auf einen Protonenpumpenhemmer zurück. Dieser hemmt die Säureproduktion, die Magenschleimhaut wird geschont und kann sich regenerieren. Die Wirkung ist lang anhaltend, die Dosierung einfach. Zur Gruppe der Protonenpumpenhemmer gehört beispielsweise das von der Firma Sandoz auf den Markt gebrachte Omed antacid 10 (bewährter Wirkstoff Omeprazol), dessen Wirkstoff im vergangenen März zur Selbstmedikation freigegeben wurde. Eine neue Hoffnung für von Magenbeschwerden geplagte Menschen? Das Medikament ist für Personen, die öfters an saurem Aufstossen und dadurch an entzündeter Speiseröhre leiden, durchaus ein erster Schritt zur Besserung in der Selbstmedikation. Es ist sicher und löst selten und wenige Nebenwirkungen aus. Der Protonenpumpenhemmer kann gut während zehn Tagen bis zwei Wochen eingenommen werden. Nach vier bis fünf Tagen muss die betreffende Person aber eine Besserung verspüren. Wenn nicht, sollte sie zum Arzt, um den Magen zu untersuchen. Wem empfehlen Sie dieses Medikament in Ihrer Apotheke? Kunden, die vor allem stressbedingt an saurem Aufstossen leiden. Häufig sind dies besagte Geschäftsleute, aber auch Hausfrauen, welche zu Hause alles unter einen Hut bekommen müssen, und Personen, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden. Helfen Protonenpumpenhemmer auch Reflux-Patienten? Ihre Beschwerden werden ja nicht direkt durch eine Magenübersäuerung hervorgerufen. Sie leiden an einem ungenügenden Verschlussmechanismus beim Übergang vom Magen in die Speiseröhre. Personen, die an Reflux leiden, können durchaus über eine kurze Zeitspanne ein derartiges Medikament einnehmen. Reflux ist jedoch der klassische Fall für eine Abklärung beim Arzt, um eine ernstere Erkrankung zu verhindern und auszuschliessen. Nach dem Check können diese Medikamente auch längerfristig eingenommen werden. Ihre Einschätzung: Werden Magenbeschwerden künftig aufgrund der sich schnell ändernden Lebensweise zunehmen? Diese Entwicklung kann ich mir vorstellen. Der Erwartungsdruck steigt stetig. Das fängt bei unseren Kindern an, die heute schon sehr beschäftigt und grossem Leistungsdruck ausgesetzt sind. Interview mit:
Dominique Bätscher. Sie ist Apothekerin und arbeitet in der Ameisenapotheke in Flawil/SG. |








