Die vielen Gesichter von Phobien

Es gibt rund 600 anerkannte Phobien. Manche, wie etwa die Spinnenphobie, begleiten die Menschen schon seit Jahrtausenden. Andere Phobien sind hingegen Phänomene der Gegenwart. Was die oftmals unbegründeten, übersteigerten Ängste jedoch alle gemein haben: Sie schränken das Leben der Betroffenen stark ein.

Catherina Bernaschina

Praktisch jeder fürchtet sich vor irgendetwas. Manche Menschen haben Angst vor dem Fliegen. Anderen sträuben sich die Nackenhaare, wenn sie einen Clown zu Gesicht bekommen. Wiederum anderen graut es vor grossen Menschenmengen. Problematisch wird es, wenn die Angst überhand nimmt und uns in unserem Lebensalltag einschränkt. Hat ein Mensch vor einem Gegenstand, vor einem Tier oder vor einer bestimmten Situation unangemessen extreme Angst, dann spricht man von einer Phobie. Da wir vor jedem Ding und vor jeder Situation eine Angst entwickeln können, gibt es theoretisch unendlich viele Phobien. Dennoch sind einige verbreiteter als andere.

Die Top 10

Zu den bekannteren Phobien, die sich von den anderen Angststörungen abgrenzen lassen und sich auf Objekte oder Situationen beziehen, gehören:

  • Höhenangst (Akrophobie): Diese Angststörung ist die am weitesten verbreitete Phobie überhaupt. Viele Menschen überkommt ein mulmiges bis panisches Gefühl, wenn sie an einem Abgrund wie beispielsweise auf einer Brücke, auf einem Balkon, an einem Felsvorsprung oder auf einer hohen Leiter stehen.
  • Angst vor Tieren (Zoophobie): Zu den bekanntesten Tierphobien zählen die Schlangenangst (Ophidiophobie), die Spinnenangst (Arachnophobie) und die Angst vor Hunden (Kynophobie). Und nicht zu vergessen die Musophobie, sprich die Angst vor Mäusen oder Ratten.
  • Glossophobie: Auch die Angst, vor anderen Menschen zu sprechen, kennen viele. Sie kann sich sehr einschränkend auf das Privat-, Schul- und Berufsleben auswirken.
  • Klaustrophobie: Die krankhafte Angst davor, in engen Räumen eingeschlossen zu bleiben, versetzt so manchen Menschen in Panik. Etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung sollen an Raumangst leiden. Die Betroffenen haben das Gefühl, zu ersticken, wenn sie sich in geschlossenen, engen Räumen wie Liften, Tunneln, Kellern, Höhlen etc. aufhalten.
  • Aviophobie: Nicht wenige Menschen leiden an Flugangst. Das Angstgefühl kann sich bereits Tage vor dem Flugantritt bemerkbar machen. Die Aviophobie ist verwandt mit der Klaustrophobie.
  • Blutphobie: Zu den weitverbreiteten Phobien gehört auch die Angst vor Blut. Sie wird zur Gruppe der Blut-, Verletzungs- und Spritzenphobien gezählt. Im Gegensatz zu den Symptomen anderer Phobien fallen Blutphobiker häufig in Ohnmacht.
  • Hypochondrie: Vielleicht kennst auch du jemanden, der ständig (grundlos) Angst davor hat, krank zu werden bzw. sich anzustecken? Der Angst vor Krankheiten geht oft eine übertriebene Selbstbeobachtung voraus. Nach Schätzungen leidet jeder 20. Patient unter Symptomen, die sich medizinisch nicht erklären lassen.
  • Agoraphobie: Diese Angst, auch Platzangst genannt, wird durch bestimmte Orte und Situationen wie Menschengedränge oder öffentliche Plätze ausgelöst.
  • Coulrophobie: Wenig zu lachen haben auch Menschen, die an Clownangst leiden. Als Auslöser der Phobie vermuten Wissenschaftler unter anderem Horrorfilme, in denen Clowns als Protagonisten auftreten.
  • Achluophobie: Nicht nur Kinder haben Angst vor der Dunkelheit. Auch Erwachsene können sich im Dunkeln in ihre Ängste hineinsteigern. Die Furcht bezieht sich dabei nicht auf die Dunkelheit, sondern auf das, was in ihr lauern könnte.

Was Phobiker fühlen

Wenn ein Mensch in einer angsteinflössenden Situation landet, kann dies je nach Person und Phobie verschiedene Gefühle auslösen. Typische Symptome einer Phobie sind:

  • übermässige Angst
  • Beklommenheit
  • Unsicherheit
  • Gereiztheit
  • Herzrasen
  • Anspannung
  • schneller Atem und Atemnot
  • starkes Schwitzen
  • Flucht
  • Panik
  • Zittern
  • trockener Mund
  • Übelkeit

Ursachen

So unterschiedlich die Phobien auch sind: Sie haben gemein, dass die Betroffenen nicht direkt vor dem Gegenstand oder der entsprechenden Situation Angst haben, sondern vor den Konsequenzen. Man hat zum Beispiel Angst, von der Spinne gebissen zu werden, bei einer Massenpanik nicht rechtzeitig flüchten zu können oder beim Fliegen abzustürzen. Der übermässigen Angst können dabei verschiedene Ursachen zugrunde liegen:

  • ein traumatisches Erlebnis
  • Überforderung in einer Situation
  • verrückt spielende Fantasie
  • anhaltende Ängste aus der Kindheit
  • die Erziehung, die wir erhalten haben

Sich der Angst stellen

Wer sich wiederholt seiner Angst stellt und sie aushält, lernt mit der Zeit, dass das Befürchtete nicht eintrifft. Die Psyche stuft die als bedrohlich empfundene Situation bzw. das Objekt irgendwann nicht mehr als gefährlich ein. Der Weg dahin führt oftmals nur über professionelle Hilfe. Als Therapiekonzepte haben sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie, die Konfrontationstherapie sowie tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse bewährt. Die Betroffenen lernen, Gefahren zu hinterfragen, ihre Gedanken zu steuern und Situationen richtig zu bewältigen. Auch Atemübungen, Atem- und Entspannungstechniken sind wichtige Massnahmen, um Phobien in den Griff zu bekommen.