Erkältungsmythen: Schluss mit Fake News

Helfen Antibiotika bei einer Erkältung? Ist die Kälte Schuld am Schnupfen und Husten? Und wie wirksam ist Vitamin C wirklich? Um Erkältungen ranken sich viele Mythen. Wir gehen den bekanntesten von ihnen nach und räumen mit einigen Irrtümern auf, die sich hartnäckig halten.

Catherina Bernaschina

Erkältung

Erkältungen holen Erwachsene bis zu viermal jährlich ein – meistens im Herbst und Winter. Die Erkrankung ist zwar – trotz ähnlicher Symptome – nicht so schwerwiegend wie eine Grippe. Sie kann aber dennoch sehr lästig sein. Klar, tun wir so manches dafür, um uns nicht zu erkälten beziehungsweise um eine Erkältung schnell wieder loszuwerden. Dabei kennt jeder Ratschläge wie «Gehe nicht mit nassen Haaren ins Freie» oder «Vitamin C macht dich wieder gesund». Doch was sind diese Tipps wirklich wert? Höchste Zeit, ein paar Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Mythos 1: Kälte führt zu Erkältungen

Dem Namen «Erkältung» zufolge müsste diese Behauptung eigentlich stimmen. Doch Erkältungen werden durch Viren ausgelöst. Du könntest sogar nackt im Schnee stehen oder mit nassen Haaren rausgehen: Ohne den Kontakt mit Viren (hauptsächlich Rhinoviren) wird dir die Kälte nicht viel anhaben. Eine Ausnahme bilden Säuglinge und Kleinkinder: Sie sollten im Winter nur mit trockenen Haaren und Mütze ins Freie, damit sie nicht auskühlen. Die Kälte kann nur dann eine Erkältung begünstigen, wenn das Immunsystem bereits angeschlagen ist. In diesem Fall bewirken die tiefen Temperaturen, dass die Abwehrkräfte noch weiter nachlassen und der Körper mit den Erkältungsviren nicht mehr fertig wird.

Mythos 2: Wer erkältet ist, sollte zu Hause bleiben

Jein. Bei einem leichten Schnupfen spricht nichts dagegen, in die Schule oder zur Arbeit zu gehen. Treten jedoch Fieber oder Halsschmerzen auf, ist es ratsam, dich zu Hause auszuruhen, um deine Genesung schneller voranzutreiben. Ansonsten riskierst du nicht nur, die Erkältung zu verschleppen, sondern auch, deine Mitmenschen damit anzustecken. Im Zweifelsfall raten wir dir, deinen Hausarzt aufzusuchen.

Mythos 3: Erkältungen lauern in den Innenräumen

Das stimmt. Die trockene Heizungsluft in den Innenräumen trocknet die Schleimhäute in Nase und Rachen aus. Die Schleimhäute sondern dadurch weniger Sekrete ab und sind anfälliger für Bakterien und Erkältungsviren. Das Ansteckungsrisiko steigt auch, weil wir Menschen uns bei Kälte länger gemeinsam in geschlossenen Räumen aufhalten. Dazu kommt, dass Erkältungsviren bei nasskaltem Wetter länger überleben und sich entsprechend schneller verbreiten.

Mythos 4: Viel trinken hilft

Das ist ebenfalls wahr. Indem du deinem Körper viel Flüssigkeit zuführst, hältst du zugleich deine Schleimhäute feucht und die Sekretproduktion am Laufen. Die Sekrete haben die Funktion, Krankheitserreger aus deinem Körper zu befördern. Zudem hilft das häufige Trinken von Wasser oder heissem Tee, den zähen Schleim in deinen Bronchien zu verflüssigen.

Mythos 5: Erkältungsviren übertragen sich über die Luft

Nicht nur. Zwar stimmt es, dass die häufigste Übertragungsart die Tröpfcheninfektion ist. Durch Husten oder Niesen geraten Sekretpartikel in die Luft und können auf diese Weise in unsere Atemwege gelangen. Die Krankheitserreger können jedoch auch über Schmierinfektion an Haut und Schleimhäute gelangen. Etwa beim Küssen oder durch das Anfassen von virusbefallenen Oberflächen. Die besten Überlebenschancen haben Erkältungsviren auf glatten, nicht porösen Oberflächen. Deshalb solltest du niemals in die Hand, sondern lieber in deine Armbeuge niesen. Ansonsten überträgst du die Viren leicht auf Türgriffe, Haltebefestigungen im ÖV sowie auf Tastaturen (wo sie mehrere Stunden überleben können).

Mythos 6: Vitamin C lindert Erkältungssymptome

Auch diesen Mythos müssen wir leider zerstören: Zwar ist das immunstärkende Vitamin C nach wie vor eine ausgezeichnete präventive Waffe gegen Erkältungen. Und ein frischgepresster Orangensaft ist und bleibt eine gesunde Wohltat. Doch hat dich die Erkältung fest im Griff, kann auch die grösste Vitamin-C-Bombe nichts daran ändern. Besser ist es, vorbeugend regelmässig immunstärkende Lebensmittel zu essen, damit die Erkältung erst gar keine Chance hat.

Mythos 7: Antibiotika helfen bei einer Erkältung

Falsch. Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Infektionen. Eine Erkältung oder die Grippe entstehen jedoch durch Viren. Ob du dir eine Erkältung eingefangen hast oder an einer Grippe leidest, kann im Zweifelsfall der Arzt feststellen. Eine Antibiotikabehandlung kommt bei einer Erkältung nur dann in Frage, wenn sich zu den Erkältungssymptomen eine bakterielle Infektion hinzugesellt. Übrigens: Auch eine Grippeimpfung schützt nicht vor Erkältungsviren.

Mythos 8: Medikamente verkürzen die Erkältungsdauer

Stimmt nicht. Erkältungsmedikamente können lediglich die Symptome wie zum Beispiel eine verstopfte Nase oder Kopfschmerzen lindern. Viele Erkältungsarzneien wirken schmerzstillend und/oder gefässverengend. Andere wie etwa Nasensprays mit physiologischer Kochsalzlösung befreien die Nase kurzfristig vom Schleim. Fakt bleibt: Eine Erkältung dauert mit oder ohne Medikamente gleich lang. So oder so ist es das Wichtigste, dass du dich genügend ausruhst.

Unsere Präventions-Tipps:

  1. Halte Abstand zu kranken und niesenden Menschen. Am höchsten ist die Ansteckungsgefahr in den ersten drei Tagen der Erkältung.
  2. Fass dir möglichst nicht ins Gesicht.
  3. Wasch dir regelmässig und gründlich mit Seife die Hände (mindestens 30 Sekunden einseifen).