Food Waste bekämpfen beginnt zu Hause

Lebensmittel, die für unseren Konsum produziert wurden, aber im Abfall landen – das ist Food Waste. Die massenhafte Lebensmittelverschwendung belastet unsere Umwelt und unser Haushaltsbudget unnötig. Das Tragische dabei: Ein grosser Prozentsatz des weggeworfenen Essens wäre eigentlich noch essbar. Zeit, unsere Konsumgewohnheiten zu überdenken.

Catherina Bernaschina

Food Waste

In der Schweiz geht rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren (Food Loss) oder wird verschwendet (Food Waste). Das sind jährlich ca. 2 Millionen Tonnen weggeworfene Nahrungsmittel, die der beachtlichen Ladung von 140’000 Lastwagen entsprechen würden.*

Zu den Hauptursachen von Food Waste und Food Loss – wir fassen die Begriffe hier unter Food Waste zusammen – gehören:

  • Qualitätsmangel (z. B. aussortiertes, unförmiges Gemüse und Obst)
  • Verderb/abgelaufene Produkte
  • Überproduktion bei der Verarbeitung
  • Transportverluste
  • Weggeworfene Essens- und Getränkereste im Privathaushalt und in der Gastronomie

Manche Lebensmittelverluste – etwa aufgrund von Rüstabfällen oder Verderb – sind unvermeidbar. Andere Verluste liessen sich jedoch durchaus vermeiden. Wenn man sich anschaut, wer eigentlich in den verschiedenen Produktions- und Konsumationsstufen am meisten Abfall verursacht, wird schnell klar, wer die Hauptverantwortung an der Verschwendung trägt.

Wo entsteht am meisten Food Waste?

Fast die Hälfte der Abfälle entsteht bei den Endkonsumenten, sprich in den Haushalten. Das sind die grössten Food-Waste-Verursacher in Zahlen:**

  • Endkonsumenten/Haushalte 45%
  • Verarbeitung 30%
  • Landwirtschaft 13%
  • Gastronomie 5%
  • Detailhandel 5%
  • Grosshandel 2%

Ein interessantes und wichtiges Detail: Die Lebensmittelverluste sind in vielen Ländern etwa gleich hoch. Sie unterscheiden sich jedoch in der Verteilung über die Lebensmittelkette. Während in reicheren Ländern wie in der Schweiz die Endkonsumenten praktisch zur Hälfte für den Food Waste verantwortlich sind, produzieren sie in ärmeren Ländern viel weniger Lebensmittelabfälle. Dafür sind in diesen Weltregionen die Ernte-, Lagerungs- und Verarbeitungsverluste wegen des technologischen Rückstands viel höher.

Hoher Verlustanteil bei Gemüse

Die Produktionsabfälle bestimmter Lebensmittel haben ein besonders hohes Ausmass. Der gemeinnützige Verein foodwaste.ch hat Zahlen dazu publiziert, welche Lebensmittel am meisten verloren gehen:

  • 63% Frischgemüse
  • 61% Kartoffeln
  • 56% Brot
  • 17% Fleischprodukte

Unsinnig, aber wahr: Viele Lebensmittel werden nach der Ernte nur aufgrund ihres Aussehens aussortiert. Unförmiges, zu kleines Gemüse ist unerwünscht, obwohl es eigentlich noch völlig geniessbar wäre.

Auswirkungen von Food Waste

Food Waste ist eine Verschwendung von Ressourcen wie Ackerland, Wasser und Energie. Die Herstellung von Lebensmitteln, die später nicht konsumiert werden, führt zu unnötigen CO2-Emissionen, zum Verlust der biologischen Vielfalt sowie zum unnötigen Verbrauch von Land und Wasser. Neben den ökologischen Auswirkungen hat Food Waste auch weitreichende wirtschaftliche Folgen. Weggeworfenes Essen verursacht entlang der gesamten Wertschöpfungskette Kosten, die sich in den Endpreisen der Lebensmittel niederschlagen. Gemäss WWF Schweiz wirft jeder Schweizer Haushalt im Schnitt pro Jahr Lebensmittel im Wert von 500 bis 1000 Franken einfach weg.

Was wir tun können

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Hälfte der Lebensmittelabfälle in Schweizer Haushalten vermeiden liesse. Würden Privathaushalte umsichtiger mit Lebensmitteln umgehen, liessen sich jährlich etwa 60 kg weggeworfenes Essen pro Haushalt vermeiden.*** Die Hauptgründe für den hohen Anteil an Food Waste im Privathaushalt sind ein allgemeines Unbewusstsein für den Wert von Lebensmitteln, fehlende Kenntnisse über die Haltbarkeit und Lagerung sowie über den Umgang mit Lebensmittelresten. Anbei ein paar Tipps, wie du Food Waste bei dir zu Hause reduzieren kannst:

  • Schau in deinen Kühlschrank, bevor du einkaufen gehst. So vermeidest du unnötige Einkäufe.
  • Plane deine Einkäufe: Erstelle eine Einkaufsliste und plane deine Mahlzeiten im Voraus.
  • Kaufe häufig und gezielt Frischprodukte ein. Oft fallen aufgrund von grossen (schlecht geplanten) Wocheneinkäufen unnötige Lebensmittelabfälle an.
  • Verwerte Essensreste: Aus Resten von gestern lassen sich durchaus leckere Mahlzeiten zaubern. Manchmal schmeckt Aufgewärmtes sogar besser als das Essen vom Vortag.
  • Verlasse dich auf deine Sinne: Teste, ob ein abgelaufenes Produkt wirklich ungeniessbar ist. Oftmals halten die Produkte ein paar Tage länger, als es das aufgedruckte Verfallsdatum angibt.
  • Entsorge Essensabfälle nicht im Abwasser. Das Herausfiltern in der Kläranlage verschwendet zusätzliche Energie.

Und die Politik?

Die Schweiz hat sich politisch dazu verpflichtet, die Lebensmittelverschwendung und Lebensmittelverluste bis 2030 deutlich zu reduzieren. Um das Ziel zu erreichen, hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zunächst die Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette untersucht. An verbindlichen Zielvorgaben und konkreten Umsetzungsmassnahmen fehlt es aber momentan noch. Weiterführende Informationen zu aktuellen Zahlen und Daten im Zusammenhang mit Food Waste in der Schweiz findest du hier.

foodwaste.ch/

** wwf.ch

*** bafu.admin.ch