Gesundheitstrend Functional Food

Schon einmal von Functional Food gehört? Der Modebegriff taucht immer wieder im Zusammenhang mit gesunder Ernährung auf. Die Produktpalette der als besonders gesundheitsfördernd angepriesenen Lebensmittel ist gross. Doch wirken sich funktionelle Lebensmittel tatsächlich positiv auf unsere Gesundheit aus?

Catherina Bernaschina

Functional Food

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Es gibt gesunde und weniger gesunde Lebensmittel. Und dann gibt es noch Functional Food – eine ganz eigene Lebensmittelkategorie. Functional Foods sind Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert wurden. Sie erfüllen nicht nur einen Ernährungszweck, sondern sollen darüber hinaus besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften haben. Die positiven Effekte auf die Gesundheit sind jedoch nicht bei allen funktionellen Produkten wissenschaftlich hinreichend belegt. Dennoch, der Hype um die besonderen Lebensmittel ist gross, da viele Leute vermehrt auf ihre Gesundheit achten.

«Frisierte» Lebensmittel

Das Konzept von Functional Food hat seinen Ursprung in Japan und wurde später in den USA und in Europa weiterentwickelt. Gemäss dem International Life Science Institute in Europa (ILSI Europe) sind Functional Foods Nahrungsmittel und Lebensmittelkomponenten, die die Körperfunktionen positiv beeinflussen, das Wohlbefinden und die Gesundheit fördern und das Risiko von Krankheiten senken.* Funktionelle Lebensmittel sind keine konzentrierten oder dosierten Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Pulver oder Tabletten. Es sind gewöhnliche Lebensmittel, an denen etwas verändert wurde, damit sie spezifische Effekte auf die Gesundheit haben.

Was steckt darin?

Zu den bekanntesten Zusätzen von Functional Food gehören ungesättigte Fettsäuren, Vitamine, Bakterienkulturen (Probiotika), Präbiotika, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Als Functional Food gelten mitunter:

  • Lebensmittel, bei denen eine oder mehrere Komponenten hinzugefügt wurden. Dies können etwa mit Antioxidantien angereicherte Fruchtsäfte sowie prä- oder probiotische Joghurts sein. Aber auch Joghurts und Margarinen, die cholesterinsenkende Phytosterine enthalten, sowie Produkte mit Extrakten aus Ginseng, Aloe vera, Ginkgo oder Isomaltulose gelten als Functional Food.
  • Lebensmittel, denen unerwünschte Komponenten entnommen wurden, um die Gesundheit zu schonen. Dazu gehören etwa gluten- und laktosefreie Produkte.
  • Lebensmittel, die durch genetische Selektion oder andere Technologien verändert wurden, wie beispielsweise Tomaten mit erhöhtem Lycopingehalt, mit Vitamin E angereicherte Pflanzenöle oder mit Vitamin A angereicherter Reis.

Die Auswahl an Functional Food ist riesig. Und das Angebot wächst stetig. Die Chance, dass auch du schon einmal unbewusst ein Functional-Food-Produkt konsumiert hast, ist gross. Denn über das eine oder andere funktionelle Lebensmittel stolpert man mittlerweile praktisch in jedem Supermarkt. Beispiele von funktionellen Lebensmitteln sind Activia, LC1 und Becel Margarine Pro-Activ.

Kritik

Lebensmittel, die die Verdauung anregen, das Immunsystem stärken und die Leistungskraft erhöhen – das hört sich toll an. Doch die gesundheitsfördernde Wirkung der meisten Zusätze ist bislang nur durch Laborversuche oder theoretisch belegt. In vielen Fällen fehlt es an wissenschaftlichen Studien. Zudem ist Functional Food kein rechtlich definierter Begriff, sondern viel eher eine Marketing-Strategie, mit der Händler und Produzenten die Aufmerksamkeit der Konsumenten auf ein bestimmtes Produkt lenken können. Doch längst nicht alle funktionellen Lebensmittel, die auf dem Markt als gesund angepriesen werden, sind für unseren Körper wirklich notwendig. Im Gegenteil – einige funktionellen Produkte sind nicht ganz ungefährlich. Die Dosierung von zugesetzten Mineralstoffen und Vitaminen lässt sich vom Verbraucher kaum selbst kontrollieren. Fettlösliche Vitamine (D, E, K, A) können sich bei einer Überdosierung ablagern.

Diätische Lebensmittel der Zukunft?

Die Idee des Functional-Food-Konzepts, mit Lebensmitteln positiv auf die Gesundheit einzuwirken, ist bestimmt nicht verkehrt. Nahrungsmittel als sogenannte Nutrazeutika (Ernährungs-Pharmazeutika) zur Krankheitsbehandlung einzusetzen, hat durchaus Potenzial. Bei Probiotika weiss man bereits heute, dass sie in bestimmten Fällen den Verbrauch von Antibiotika reduzieren können. Doch die Wissenschaft steht noch am Anfang. Bis die Wirkung aller funktionellen Lebensmittel gänzlich geklärt ist, halten wir uns am besten an die allgemeinen Ernährungsrichtlinien für eine ausgewogene Ernährung.

Das erste Functional Food in der Schweiz war übrigens die Ovomaltine. Das beliebte Getränkepulver, das es seit über hundert Jahren gibt, enthält unter anderem viele Mineralstoffe, Vitamine und eine Menge Folsäure.