Gut geschützt beim Oralsex

Beim Oralsex sollte Safer Sex genauso ein Thema sein wie beim Geschlechtsverkehr. Denn auch über die Berührung zwischen Mund und dem weiblichen Genitalbereich lassen sich Krankheiten übertragen. Eine nicht zu unterschätzende Infektion ist HPV. Zum oralen Schutz beim Cunnilingus bieten sich die noch relativ unbekannten «Lecktücher» aus Latex an.

Catherina Bernaschina

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Bei der öffentlichen Diskussion zum Thema «sexuell übertragbare Krankheiten» steht oft der Geschlechtsverkehr im Mittelpunkt. Dass Infektionen nicht nur über Vaginal-, Penis- und Anal-Sexverkehr, sondern auch durch Oralsex übertragen werden können, ist nicht jedem bewusst. Das Risiko, sich beim Liebesspiel zwischen Mund und Genitalbereich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zu infizieren, ist im Vergleich zu anderen Sexualpraktiken zwar niedriger, aber dennoch existent. Mögliche Krankheiten, die man sich durch Oralsex einhandeln kann, sind HIV/AIDS, Hepatitis A, B und C, Herpes Simplex/Genitalis, Dellwarzen, Chlamydien, Tripper, Syphilis, Pilzinfektionen, Fadenwürmer (bei Fellatio direkt nach Analverkehr), Feigwarzen und HPV (humane Papillomaviren).

HPV-Übertragung über Mundschleimhaut

Die meisten Menschen kommen im Verlauf ihres Lebens mit humanen Papillomaviren in Berührung. Die Infektion erfolgt über direkten Kontakt mit infizierten Haut- oder Schleimhautpartien, vorwiegend beim Geschlechtsverkehr. Manchmal aber auch über die Mundschleimhaut durch den direkten Kontakt mit betroffenen Stellen im Genitalbereich. Bei infizierten Paaren, die ungeschützten Oralsex praktizieren, ist eine HPV-Infektion in der Mundhöhle bei etwa 20 Prozent nachweisbar. Und zwar sehr viel häufiger bei Frauen, als bei Männern.* Dennoch ist das Infektionsrisiko für durch Oralsex übertragbare Krankheiten durch Speichel geringer als durch Scheidensekret oder Blut und Sperma.

HPV als Krebsauslöser

Grösstenteils heilen HPV-Infektionen von alleine ab: Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) verschwindet das HP-Virus in 70% der Fälle innerhalb eines Jahres und in 90% innert zwei Jahren nach der Infektion. Die Infektion kann aber auch bestehen bleiben und zu Hautveränderungen wie gutartigen Genital- und Hautwarzen, und in seltenen Fällen zu bösartigen Tumoren führen. Die häufigste durch HPV ausgelöste Krebserkrankung ist das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs). Doch auch an Peniskrebs, Analkrebs, Scheidenkrebs, Krebs im Schambereich sowie an Kehlkopfpapillomen und Krebs im Mund-Rachen-Bereich sind HP-Viren beteiligt. Dabei ist jedoch zu erwähnen, dass von den mehr als 170 bekannten HPV-Typen nicht alle, sondern nur bestimmte Hochrisikoformen wie z.B. HPV 16 und 18 für die Entstehung von Krebs verantwortlich sind.

Früherkennung, Behandlung und Prävention

Zur Früherkennung gibt es verschiedene HPV-Tests. Ein positives Testergebnis bedeutet jedoch noch nicht, dass Krebs vorliegt. Meist bleibt genügend Zeit, mögliche Krebsvorstufen zu finden und nötigenfalls zu entfernen. Warzen und Zellveränderungen aufgrund von HP-Viren können heute erfolgreich behandelt werden. Um Rückfälle oder neu auftretende Veränderungen frühzeitig zu erkennen, empfehlen Ärzte regelmässige Kontrolluntersuchungen. Eine wirkungsvolle Massnahme zur Vorbeugung der Erkrankung ist die HPV-Impfung. Die Impfung ist jedoch nur dann wirksam, wenn es noch nicht zur Infektion gekommen ist. Es sollte also am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft werden. Seit einigen Jahren wird die HPV-Impfung nicht nur Mädchen und jungen Frauen, sondern auch Knaben sowie jungen Männern empfohlen.

Safer Oralsex mit Lecktuch

Das Ansteckungsrisiko deutlich reduzieren können eine begrenze Zahl an Sexualpartnern sowie orale Infektionsschutzmassnahmen bei neuen oder bereits infizierten Sexualpartnern. Um dich vor Geschlechtskrankheiten beim Oralsex zu schützen, gibt es zwei verschiedene Barrieremethoden: Eine davon ist das – beim Cunnilingus aufgeschnittene – Kondom, die andere ist das sogenannte «Lecktuch», auch Dental Dam oder SHEER Dam genannt. Das Latextuch wurde ursprünglich für eine sterile Dentalbehandlung entwickelt (daher der Name Dental Dam). Später wurde es auch zum mechanischen Schutz vor dem Austausch von Körperflüssigkeiten und beim Aufeinandertreffen von Schleimhäuten bei Oralsex umfunktioniert. In der Schweiz ist das Lecktuch ziemlich unbekannt, nur wenige Apotheken bieten es an. Erhältlich ist das in verschiedenen Geschmacksorten verfügbare Latexschutztuch gemäss Sina Poffa, Expertin von der Non-Profit-Organisation ACHTUNG LIEBE SCHWEIZ in Condomerias, Sex Shops sowie online via Versandbestellung unter dem Begriff Dental Dam. Für Latex-Allergiker gibt es auch latexfreie Dams aus Polyurethan.

So funktioniert das Lecktuch

Für eine sichere Anwendung von Lecktüchern sind einige Dinge zu beachten. Sina Poffa erklärt: «Das Lecktuch ist eine dünne Latexschicht, die mit Gleitmittel oder Wasser benetzt wird, um besser zu haften. Es wird über die Vulva oder den Analbereich gelegt und sollte mit einer Hand in der Position gehalten werden. Nach einer Anwendung sollte es nie verschoben oder umgekehrt werden, weil so ein Austausch von Körperflüssigkeiten auf Schleimhäute erfolgen könnte.» Als Schutz vor einer Schwangerschaft ist das Tuch nicht geeignet. Zudem ist zu beachten, dass es Geschlechtskrankheiten mit Infektionen in einem grösseren Bereich gibt, als ein Lecktuch abdecken kann. «Ein hundertprozentiger Schutz ist somit nie garantiert. Wichtig ist eine regelmässige ärztliche Abklärung, um die Gesundheit zu gewährleisten», ergänzt Sina Poffa.

* Quelle: Garolla H. et al, J Sex Med 11 (2014) 127-135)