Wie viel Haarausfall ist normal?

Haarausfall ist ein weitverbreitetes Leiden und kann jeden treffen. Oft stellt die Diagnose für die Betroffenen eine starke seelische Belastung dar. Um die richtige Behandlungsmethode zu finden, ist es wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und deren Ursachen auf den Grund zu gehen.

Natalie Hemengül

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Eine vital- und mineralstoffreiche Ernährung kann positiven Einfluss für gesunde, prachtvolle Haare sein.

Die Diagnose Haarausfall wird bei zahlreichen Leuten gestellt. In einer Gesellschaft, in der wir grossen Wert auf unser äusserliches Erscheinungsbild legen, kann der Verlust des Kopfhaares die Betroffenen psychisch stark belasten. Dass Haare ausfallen, liegt zunächst einmal in ihrer Natur. Jedes Haar durchläuft einen Zyklus, der sich aus drei Phasen zusammensetzt: Das Haar befindet sich etwa zwei bis sechs Jahre lang in der Wachstumsphase. In der darauffolgenden Übergangsphase wird die Haarwurzel in Richtung Kopfhautoberfläche geschoben. Anschliessend folgt eine Ruhephase von etwa zwei bis vier Monaten, in der kein Stoffwechsel mehr stattfindet. Das Haar lockert sich, bis es durch externe Einflüsse wie Kämmen oder Haarewaschen endgültig ausfällt. Ungefähr 18 Prozent unserer Haare befinden sich in dieser letzten Phase. Erst wenn es mehr als 20 Prozent sind, kann von einem krankhaften Haarverlust die Rede sein. Im Fachjargon auch Alopezie genannt.

Haarausfall erkennen

Ein Verlust von bis zu 100 Haaren am Tag ist völlig normal. Um festzustellen, ob Sie sich in diesem gesunden Rahmen bewegen, zählen Sie am besten über einen Zeitraum von drei Wochen hinweg täglich alle ausgefallenen Haare. Dazu eignen sich beispielsweise die Haare auf dem Kopfkissen, im Ausguss nach dem Duschen oder in Ihrer Haarbürste. Sind es tatsächlich mehr, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. Dieser kann feststellen, um welche Art der Alopezie es sich bei Ihnen handelt und was die Ursache dafür ist.

Mögliche Ursachen

Haarausfall entsteht, wenn die Bildung neuer Haare verhindert wird, sich die Haarwachstumsphasen verschieben oder die Haarfollikel (Haarbildungsstätten) zerstört wurden. So kann man zwischen temporärem und permanentem Haarausfall unterscheiden. Ersteres beschreibt einen vorübergehenden Verlust der Haare, dessen Ursprung sich meist auf Stress oder andere psychische Faktoren zurückführen lässt. Hier treten die Haarfollikel in die Ruhephase ein, wodurch das Haar ausdünnt oder gar nicht erst nachwächst. Lässt der Stress nach, kommt der Haarwuchs von ganz alleine wieder ins Gleichgewicht. Weitere Ursachen können unter anderem sein: Medikamente, Fehlfunktion der Schilddrüse, Zink- oder Eisenmangel, Störung des Immunsystems, Infektionen, Operationen unter Vollnarkose, genetische Veranlagungen, Schwangerschaften, Menopause, Vergiftungen und Hauterkrankungen. Beim permanenten Haarausfall hingegen liegt fast immer eine völlige oder teilweise Zerstörung der Haarbildungsstätte vor.

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Arten von Haarausfall

Es gibt viele verschiedene Formen von Haarausfall. Die drei häufigsten sind der erblich bedingte, der kreisrunde und der diffuse Haarausfall.

Erblich bedingter Haarausfall
Der vererbbare Haarausfall ist bei Weitem die häufigste Art, die auftritt. Sie ist bei Männern öfter zu beobachten als bei Frauen. Hauptursache dafür ist eine Form der Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Steroidhormon Dihydrotestosteron, auch DHT genannt. Dieses entsteht durch eine Umwandlung des Sexualhormons
Testosteron und befindet sich in der Kopfhaut. Hier wird die Unverträglichkeit des Steroidhormons genetisch weitervererbt. Die Haarwurzeln werden nicht mehr mit ausreichend Nährstoffen versorgt, wodurch sich die Wachstumsphase des Haares wesentlich verkürzt. Das Haar fällt schneller aus. Zur völligen Kahlheit kommt es dabei aber nie. Die Haare am Hinterkopf und an den Schläfen bleiben erhalten. Bei Frauen verläuft der genetisch bedingte Haarausfall etwas anders und wird durch eine zu hohe
Menge des männlichen Geschlechtshormons verursacht. Die Haare um den Scheitel herum werden dünner und die Stirnhaargrenze weicht zurück.

Kreisrunder Haarausfall
Die zweithäufigste Form der Alopezie ist der kreisrunde Haarausfall. Dieser kann bei Frauen und Männern gleichermassen häufig auftreten. Dabei fallen die Haare lediglich
innerhalb einer scharf umgrenzten Fläche aus. Die Ursache liegt meist in einer Störung des Immunsystems. Dabei hindern Entzündungszellen in der Kopfhaut das Haar am Wachstum, ohne dass die Haarfollikel absterben. Deshalb können die Haare auch jederzeit wieder nachwachsen. Der kreisrunde Haarausfall ist zudem häufiger bei jungen Leuten zu beobachten.

Diffuser Haarausfall
Lässt sich der Haarverlust nicht auf einen spezifischen Bereich einschränken, ist die Rede von einem diffusen Haarausfall. Das heisst, das gesamte Haupthaar wird insgesamt lichter. Auch hier können die Auslöserdafür vielfältig sein. Die Bandbreite reicht von seelischen Problemen, über Gift, chemische Haarpflege- und Färbemittel,
bis hin zu Stoffwechselkrankheiten.

Sind Art und Ursache erst einmal bekannt, stehen Ihnen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl. Diese können in ihrer Anwendung, Wirksamkeit und
Nebenwirkung alle sehr unterschiedlich ausfallen. Welche für Sie die richtige ist, kann Ihnen nur Ihr Hautarzt sagen.