Keine Scham wegen Hämorrhoiden

Vielen Menschen bereiten Hämorrhoiden Beschwerden, doch nur wenige sprechen darüber. Dabei könnte man sich viel Leid ersparen, wenn man das Problem offener anginge. Hier erfährst du alles, was du über vergrösserte Hämorrhoiden wissen musst: wie sie entstehen, was sie begünstigt und wie du gegen sie vorgehen kannst.

Catherina Bernaschina

Hämorrhoiden

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Schätzungsweise jede zehnte Person ist von Hämorrhoiden betroffen. Bei den Erwachsenen über 30 Jahren leiden sogar über 50 Prozent darunter. Im Grunde genommen hat sie jeder Mensch von Natur aus. Hämorrhoiden sind ein Geflecht aus Blutgefässen, das oberhalb des Darmausgangs angesiedelt ist. Die Blutgefässe dienen als Schwellkörper, die den Darm abdichten. Für gewöhnlich schlummern die Hämorrhoiden ganz unbemerkt im Analkanal des Enddarms. Schmerzhaft werden sie erst, wenn sie aufgrund eines Blutstaus krankhaft anschwellen.

Entwicklungsstadien

Solange die wulstigen Wölbungen noch nicht von Auge sichtbar sind, handelt es sich um innere Hämorrhoiden. Treten sie aus dem Darmausgang hervor, spricht man von äusseren Hämorrhoiden – einem fortgeschrittenen Stadium. Insgesamt unterscheidet die Medizin vier Stadien von Hämorrhoidalleiden:

Grad I: Im Anfangsstadium sind die Hämorrhoiden zwar bereits vergrössert, aber von aussen noch nicht sichtbar. Oft machen sie sich erstmals durch hellrote Blutspuren im Stuhl und Bluttropfen auf dem Toilettenpapier bemerkbar. Diese kleineren Blutungen bereiten normalerweise noch keine Beschwerden.

Grad II: Im zweiten Stadium treten die Hämorrhoiden beim Pressen sichtbar hervor. Die kleinen Knubbel ziehen sich jedoch nach dem Stuhlgang von selbst wieder in den Analkanal zurück. Manche Betroffene haben mitunter das Gefühl, dass sie ihren Darm nicht vollständig entleeren können.

Grad III: Im dritten Stadium fallen die Knötchen nicht nur bei der Stuhlentleerung nach aussen, sondern auch spontan – zum Beispiel bei körperlicher Belastung. Die Hämorrhoiden ziehen sich nicht mehr von alleine zurück, sondern lassen sich lediglich mit den Fingern in den Analkanal zurückschieben. Nicht selten kommt es zu Nässen und Schleimabgang. Die Knötchen können zuweilen prall werden und schmerzen.

Grad IV: Im letzten Stadium befinden sich die Hämorrhoiden ständig vor der Afteröffnung. Ihre Farbe reicht von dunkelrot bis dunkelblau. Sie zurückzuschieben, ist nunmehr unmöglich. Neben Brennen, Stechen und Juckreiz können starke Schmerzen im Afterbereich und unkontrollierter Stuhlabgang auftreten.

Verschiedene Ursachen

Hämorrhoiden haben verschiedene Ursachen. Hoher Druck im Analbereich ist ein Hauptgrund. Dieser kann sowohl beim Stuhlgang als auch in der Schwangerschaft entstehen. Die schmerzenden Knoten sind bei Schwangeren eine häufige Begleiterscheinung, die durch die Zunahme von Gewicht und der Blutmenge entsteht. Hinzu kommen die Gebärmutter und das kindliche Köpfchen, die ebenfalls auf die Blutgefässe im Enddarm drücken. Aber auch eine falsche Ernährung, die zu Verstopfung führt, kann Hämorrhoiden begünstigen. Denn wer an Verstopfung leidet, presst beim Stuhlgang automatisch mehr. Weitere Faktoren, die Hämorrhoidalleiden fördern, sind:

  • eine angeborene Bindegewebeschwäche
  • ständiges Sitzen
  • Übergewicht
  • Ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Stress und Anspannung
  • leichter dehnbare Gefässe wegen Schwangerschaftshormonen
  • lange Austreibungsphase und starkes Pressen während des Gebärens

Abhilfe bei Hämorrhoiden

Wenn du an vergrösserten Hämorrhoiden leidest, kannst du in leichten Fällen zunächst selbst gegen die Beschwerden vorgehen. Bei akuten Schmerzen kann eine Salbe oder ein Zäpfchen zur örtlichen Betäubung Linderung bringen. Lasse dich dazu von einer Fachperson in der Apotheke oder Drogerie beraten, oder konsultiere einen Arzt. Es gibt zudem Zäpfchen mit Mulleinlage (Analtampon), die das Nässen im Afterbereich stoppen. Beim Sitzen hilft ein orthopädisches Kissen. Des Weiteren solltest du:

  • viel Wasser trinken und für regelmässige Bewegung sorgen, um Verstopfung und Darmträgheit vorzubeugen.
  • auf eine ballaststoffreiche, gesunde Ernährung achten. So förderst du ebenfalls einen weichen Stuhlgang. Etwa Müsli, Vollkornbrot, Nüsse, frisches Obst und Milchprodukte sind ideale Frühstückszutaten.
  • blähende Lebensmittel meiden.
  • langes Sitzen vermeiden.
  • keinen unnötigen Druck auf deinen Beckenbereich ausüben (z.B. durch schweres Heben oder starkes Pressen).
  • kühle Sitzbäder mit entzündungshemmenden Stoffen wie Eichenrinde, Kamille oder Hamamelis anwenden. Diese Pflanzentinkturen findest du in der Drogerie oder Apotheke.
  • die Schwellung mit einer stoffumwickelten Eispackung kühlen.
  • deinen Schliessmuskel durch Zusammenziehen der Pobacken trainieren.

Achte zudem auf eine gründliche Reinigung und Pflege: Wasche deinen Analbereich nach jedem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser und tupfe ihn vorsichtig mit weichem Toilettenpapier ab. Trage danach eine dünne Schicht beruhigende Hamamelis- oder Calendula-Salbe auf die schmerzende Stelle auf.

Vorsicht vor Selbstdiagnosen

Symptome wie Blut im Stuhl oder Schmerzen im Analbereich können auf vergrösserte Hämorrhoiden hinweisen. Doch es könnte auch eine andere, schwerwiegendere Erkrankung dahinterstecken. Deshalb ist es wichtig, dich bei anhaltenden Beschwerden immer vorsorglich untersuchen zu lassen. Der Arzt kann durch Abtasten und Spiegeln des Analbereichs feststellen, ob vergrösserte Hämorrhoiden im Enddarm vorhanden sind.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Spätestens, wenn das Hämorrhoidalleiden weit fortgeschritten ist (Grad IV), ist eine Untersuchung beim Proktologen angebracht. Denn Salben, Zäpfchen und Tampons gegen Hämorrhoiden können die Beschwerden nur vorübergehend abschwächen. Die schmerzhaften Knötchen verschwinden dadurch aber nicht. Der Proktologe kann gegebenenfalls mit einem operativen Eingriff den Normalzustand wiederherstellen. Als Therapien kommen je nach Fall eine Verödung, eine Gummibandligatur oder ein chirurgischer Eingriff in Frage.