Kleine Verletzungen richtig behandeln

Reisen, Grillieren, Sport im Freien: Schnell kann in der heissen Jahreszeit etwas passieren. Die Apothekerin Petra Gerdesmeyer gibt Tipps, wie kleinere Verletzungen behandelt werden können – auch mit Mitteln der Komplementärmedizin.

Verletzungen

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«Bei Verletzungen jeglicher Art ist Arnika das erste Mittel aus der homöopathischen Hausapotheke. Ich gebe meist die Potenz C30», empfiehlt die Apothekerin Petra Gerdesmeyer. Ideal ist es, wenn du eine der kleinen homöopathischen Apotheken, die für Reisen, Verletzungen in einer Apotheke oder Drogerie erhältlich sind, immer dabei hast. Darauf aufbauend könntest du dir eine Reiseapotheke zusammenstellen lassen mit weiteren Mitteln der Komplementär- sowie Schulmedizin. Wichtig ist auch, Verbandsmaterial dabeizuhaben, beispielsweise einfache Pflaster in verschiedenen Grössen, steril verpackte Kompressen, eine selbstklebende elastische Binde, aber auch Schere und Pinzette.

So solltest du eine Schnittwunde behandeln

Eine schmutzige Wunde muss gereinigt werden; am besten wird sie unter fliessendem Wasser ausgespült. Das perfekte homöopathische Mittel bei Schnittwunden ist Staphisagria (Stephanskörner); auch die Essenz aus Calendula (Ringelblume) empfiehlt sich. Zum Desinfizieren eignen sich Teebaum- oder Lavendelöl. Letzteres ist ein richtiges Rundummittel: Es eignet sich, um Wunden zu desinfizieren, Insektenstiche zu behandeln, bei Juckreiz und viel mehr. Schulmedizinisch desinfiziert man mit einem geeigneten Mittel wie Merfen oder Octenisept. Danach wird die Wunde verbunden. Mit Staphisagria kombiniert, wird die Wundheilung angeregt.

Schürfungen

Auch Schürfwunden musst du auswaschen und Fremdpartikel mit der Pinzette entfernen. Danach solltest du die Schürfwunde desinfizieren. «Aus der Komplementärmedizin eignet sich Ringelblumenessenz, die auch stark wundheilungsfördernd wirkt», sagt Petra Gerdesmeyer. Als mögliches schulmedizinisches Desinfektionsmittel bietet sich Bepanthen Plus Creme an. Nach dem Desinfizieren wird die Wunde mit einer nicht klebenden Kompresse und einem hautfreundlichen Pflaster verbunden.

Riss- / Platzwunden

Oberstes Prinzip ist das Säubern – das Auswaschen der Wunde. Nach dem Desinfizieren werden die Wundränder vor dem Verbinden mit Steri-Strip fixiert, was bei tieferen Wunden, auch bei Schnittwunden, empfehlenswert ist. Ist die Wunde nicht so tief, kannst du sie auch mit einer Calendula Salbe behandeln.

Stichwunden

Kleine Splitter, Dornen usw., die in der Wunde stecken, solltest du mit einer Pinzette sorgfältig entfernen. Nachdem du die Wunde desinfiziert hast, musst du die Wunde mit einem Pflaster, gegebenenfalls mit einem Druckverband verbinden. Bei tiefen Stichen durch rostige Nägel, Holzsplitter oder ähnlichem muss bei unklarem Tetanus-Impfschutz ein Arzt aufgesucht werden. Bei jeder Art von Stichwunden – auch von Mückenstichen – wie von Bissen (Zecken) ist Ledum (Sumpfporst) angesagt.

Bisswunden

«Bisse sind gefährlich», warnt die Apothekerin, «besonders die tiefen und solche von Katzen. Wenn die Wunde blutet, solltest du mit Desinfizieren und Verbinden etwas warten, da mit dem Blut Keime ausgeschwemmt werden.» Auch bei Bisswunden müsse bei unklarem Tetanus-Impfschutz ein Arzt aufgesucht werden. Bei Reisen ins Ausland sollte man sich zudem erkundigen, welche Tiere Überträger der Tollwut sein können und mögliche Kontakte meiden. In den USA beispielsweise sind Fledermausbisse der häufigste Übertragungsweg. «Homöopathische Hauptmittel bei Bisswunden sind Ledum (Sumpfporst) und Hypericum (Johanniskraut)», sagt Petra Gerdesmeyer. «Bisswunden musst du beobachten: Reagiert man mit Fieber, Schwäche, Unwohlsein usw. oder entzündet sich die Wunde, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.»

Verbrennungen

Die verbrannte Stelle solltest du sofort mit lauwarmem Wasser kühlen. Danach S.O.S.- bzw. Rescue (Notfall)-Creme oder -Gel, das Bachblüten enthält, auf die verbrannte Stelle auftragen. Alternativ Schüsslersalz Nr. 3 als Creme oder Tücher. Wenn Blasen entstehen: nicht aufstechen, sondern abdecken. Homöopathisches Cantharis (Spanische Fliege) kann dabei helfen. Desinfiziere aufgegangene Blasen und verbinde sie mit sterilem Material, z.B. mit einem Gelpflaster.

Sonnenbrand

Immer Sonnenschutz benutzen! Wenn die Haut sich zu röten beginnt, sich sofort etwas überziehen und in den Schatten gehen. Ein wichtiges Mittel bei starkem Sonnenbrand ist Belladonna (Tollkirsche, innerlich). Schulmedizinisch werden Cremes mit Lokalanästhetika eingesetzt, die schmerzstillend wie auch kühlend wirken. Ein altes probates Hausmittel ist Quark. Aloe vera, als Body Lotion oder reines Gel aufgetragen, wirkt kühlend und wundheilungsfördernd. Sind Blasen aufgetreten, empfiehlt Petra Gerdesmeyer Cantharis, S.O.S.- /Rescue-Creme oder -Gel.

Insektenstiche

Homöopathische Hauptmittel bei Insektenstichen sind Ledum (Sumpfporst) und Apis (Honigbiene). «Apis hilft bei einem Stich, der Kälte mag und leicht gerötet ist», erklärt die Apothekerin. «Wenn die Einstichstelle hochrot wird, ist Belladonna angezeigt, wenn sie bläulich-rot wird Lachesis (Buschmeister). Hilfreich sind auch Lavendelöl, Teebaumöl sowie das Produkt «Insektenstiche» von Similasan, äusserlich und innerlich. Wenn alles nicht hilft, kann man ein Antiallergikum einnehmen oder äusserlich als Gel wie Fenistil oder Stilex auftragen.»