Laktoseintoleranz: Wenn Milchzucker auf den Magen schlägt

Nahrungsmittelintoleranzen sind in aller Munde – heiss diskutiert wird vor allem die Laktoseintoleranz. Ein Blick in die Supermarktregale zeigt, dass der Markt mit laktosefreien Produkten boomt. Doch wie verbreitet ist die Milchzuckerunverträglichkeit wirklich? Und wie weiss man, ob man daran leidet? Wir geben Antworten und Tipps.

Catherina Bernaschina

Laktoseintoleranz

© Oleksandra Naumenko, shutterstock.com

Eines vorweg: Laktoseintoleranz und Milchallergie sind nicht dasselbe. Die Milchallergie ist eine Abwehrreaktion unseres Immunsystems auf Kuhmilcheiweiss. Bei einer Laktoseintoleranz hingegen kann der Körper Milchzucker bzw. Laktose nicht richtig verdauen. Der Milchzucker wird im Dünndarm nicht oder nur unzureichend durch das Verdauungsenzym Laktase gespalten. Grund dafür ist ein Laktasemangel. Anstatt ins Blut gelangt die Laktose unverdaut in den Dickdarm, wo sie von Bakterien vergoren wird. Infolgedessen kann es zu Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, aber auch zu Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit kommen.

Fälle nehmen zu

Laktoseintoleranz gehört zu den verbreitetsten Nahrungsmittelintoleranzen. Man geht davon aus, dass in der Schweiz etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung daran leiden.* Weltweit sind sogar um die 75 Prozent der Menschen betroffen. Betrachtet man die Verkaufszahlen von laktosefreien Produkten, scheint die Zahl der laktoseintoleranten Menschen stetig zuzunehmen. Allein Coop verkauft heute achtmal mehr laktosefreie Milch als noch vor zehn Jahren.** Ärzte und Krankenkassen erklären sich den Anstieg damit, dass das Thema Laktoseintoleranz eine grosse Medienpräsenz erhalte. Zudem gebe es bessere Testverfahren für die Diagnose als früher.

Geographische Unterschiede

Dass die Milchzuckerunverträglichkeit in unseren Breitengraden dennoch vergleichsweise selten vorkommt, hat mit der Anpassung in der Evolution an die Milchkultur zu tun. Der Mensch hat über Jahrtausende die Fähigkeit entwickelt, Milch auch im Erwachsenenalter zu verdauen. In vielen anderen Weltregionen wird hingegen (Mutter-)Milch nur im Baby- und Kleinkindalter getrunken. Danach sieht der Körper keine Notwendigkeit mehr darin, das Enzym Laktase zu bilden. Die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen, geht so mit der Zeit verloren. Damit wäre dann auch bewiesen, dass Laktoseunverträglichkeit keine Krankheit ist, sondern ein normaler physiologischer Vorgang.

Verschiedene Formen von Laktoseintoleranz

Nur wenige Menschen haben eine angeborene (absolute) Laktoseintoleranz. Viel häufiger ist ein primärer (natürlicher) Laktasemangel, der wie beschrieben mit unserer Herkunft und mit dem Versiegen der Enzymproduktion im Erwachsenenalter zusammenhängt. Dies erklärt, weshalb Laktose gerade von älteren Menschen nicht mehr so gut toleriert wird. Ein Laktasemangel kann auch infolge einer Krankheit entstehen. Man spricht dann von einer sekundären (erworbenen) Laktoseintoleranz. Auch wenn man Laktose eigentlich gut verträgt, aber länger keine Milchprodukte konsumiert, kann der Körper allmählich die Produktion des Laktaseenzyms reduzieren.

Ernährungstagebuch führen

Da die Vielfalt der Symptome gross ist, wird die Laktoseintoleranz oft nicht sofort erkannt. Wenn du Milchprodukte nicht gut verträgst und dein Körper mit Verdauungsbeschwerden reagiert, solltest du keinesfalls eine Diät auf eigene Faust starten. Dadurch schränkst du nicht nur deine Lebensqualität ein, sondern du riskierst auch einen Nährstoffmangel. Hol dir frühzeitig Rat von einer Fachperson. Ein Ernährungs- bzw. Symptomtagebuch kann der Fachperson erste wichtige Anhaltspunkte liefern. Klarheit bringen ein Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest) und ein Gentest im Blut. Eine weitere Methode ist der Laktosetoleranztest. Dabei wird durch Blutzuckermessungen nach dem Trinken einer Laktoselösung überprüft, ob der Darm den Milchzucker verwerten kann.

Verträglichkeit trainieren

Nach gestellter Diagnose schlägt die Fachperson die passende Therapie bzw. Diät vor. In der Regel werden in einer ersten Phase die beschwerdeauslösenden laktosehaltigen Produkte weggelassen. Nach einer laktosefreien Ernährung für kurze Zeit folgt das langsame Steigern und Ausprobieren der Laktosemenge mithilfe einer Ernährungsfachperson. Ziel dabei ist es, die individuelle Verträglichkeit zu ermitteln. Gleichzeitig wird der Körper trainiert, wieder mehr Laktase zu bilden, in dem er lernt und sich anpasst.

Neue Forschungsergebnisse

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass eine Behandlung mit laktosehaltigen Zuckerketten (hochreine Galactooligosaccharide) zu einer Verbesserung einiger Symptome bei laktoseintoleranten Menschen führen kann. Die Ergebnisse dieses Ansatzes sind allerdings relativ gemischt. Auch Forschende von Agroscope und dem Universitätsspital Lausanne haben erst kürzlich neue Erkenntnisse zur Laktoseverdaulichkeit publiziert. Sie haben herausgefunden, wie man Laktase im menschlichen Körper nachweist und ob der Organismus Laktose verdauen kann. Die neue Methode ermöglicht es, die Laktaseaktivität direkt zu untersuchen anstatt sie aufgrund der genetischen Anlagen oder anhand von Symptomen zu beurteilen.*** .

Tipps bei Laktoseintoleranz

  • Iss laktosehaltige Speisen in kleinen Mengen über den Tag verteilt. Sie sind so besser verträglich.
  • Ihre Verträglichkeit steigt auch, wenn du gleichzeitig fett- oder eiweissreiche Lebensmittel isst.
  • Gereifter Halbhart-, Hart- und Extrahartkäse ist verträglicher als Frischkäse, da während des Reifungsprozesses Bakterien Laktose abbauen.
  • Einige Milchprodukte enthalten von Natur aus keine Laktose. Auf der Verpackung wird dies gekennzeichnet.
  • Butter enthält nur sehr wenig Laktose und ist daher gut verträglich.
  • Weitere Milchprodukte, die bei Milchzuckerunverträglichkeit gut vertragen werden, sind Joghurt, Weichkäse, Rahm und Sauermilchprodukte wie Kefir, Buttermilch und Lassi.
  • Laktosefreie Spezialprodukte sind mittlerweile im gewöhnlichen Detailhandel erhältlich. Hier findest du Informationen zu pflanzlichen Alternativen zur Kuhmilch.

**Agroscope

** Beobachter

*** Medienmitteilung