Menstruationstassen

Im sogennanten Real Life sind Lady Cups unsichtbar: keine Werbung, keine Gespräche darüber. Wer sich aber in Blogs und Foren aufhält, wird früher oder später mit der Euphorie für die alternativen Hygieneprodukte angesteckt.

Nadja Belviso

Bei der Menstruationstasse wird das Blut nicht wie beim Tampon rückgestaut. Dadurch verkürzt sich die Menstruationsdauer und frau hat weniger Schmerzen.

Für viele Frauen ist die Menstruation ein monatlich wiederkehrendes Ärgernis: Schmerzen, Flecken im Slip, ausgetrocknete Schleimhäute und das Risiko, unterwegs von der Blutung überrascht zu werden. Dabei gibt es ein Hygieneprodukt, das die meisten dieser Probleme löst: die Menstruationstasse. Das aus medizinischem Silikon gefertigte Behälterchen wird in die Vagina eingeführt, wo es das Blut auffängt. Ist es voll, kann es entfernt, ausgespült oder ausgewischt und wieder eingesetzt werden. Eine Tasse kostet zwischen 20 und 50 Franken und hat eine Lebensdauer von zehn Jahren.

Hochgelobter Geheimtipp

In der Blogosphäre breitet sich der Geheimtipp rasant aus und wird aus unterschiedlichsten Gründen hochgelobt: Umweltbewusste Frauen schätzen die Möglichkeit, Abfall zu vermeiden; Sparfüchse freuen sich über mehr Geld in der Haushaltskasse; Feingeister verabschieden sich gerne vom übelriechenden Abfalleimer im Bad; Reiselustige feiern die Freiheit, für längere Trips in abgelegene Gebiete keine Vorräte mehr mitnehmen zu müssen, und Frauen mit unregelmässigem Zyklus sind froh, bereits vor dem Einsetzen der Blutung einen schleimhautschonenden präventiven Schutz zu haben.

Kürzere Menstruation

Bea Loosli, Inhaberin der Ladyplanet GmbH, kennt weitere Vorteile der Cups gegenüber Tampons. Als Beraterin für Menstruationstassen, natürliche Verhütung und Frauenheilkunde erfährt sie aus erster Hand, wie Nutzerinnen mit dem Produkt zurechtkommen. «Immer wieder höre ich von einer kürzeren Menstruationsdauer und weniger Schmerzen», so die Expertin. Ihre Erklärung: «Da das Blut nicht rückgestaut wird, kann sich die Gebärmutterschleimhaut besser lösen und schneller abfliessen.» Sie ist überzeugt, dass die Vaginalfl ora weniger anfällig für Infektionen und Reizungen ist, da der Cup das Blut nicht aufsaugt und die natürliche Befeuchtung der Schleimhaut entsprechend erhalten bleibt. Nicht zuletzt gilt die Menstruationstasse in Bezug auf das Toxische Schocksyndrom als absolut sicher.

Für Frauen ohne Scheu vor dem Thema Menstruation

Trotz all dieser Vorteile ist die Menstruationstasse nicht für alle Frauen geeignet. Um sie einzuführen, ist eine gewisse Kenntnis der eigenen Anatomie erforderlich, ebenso die Bereitschaft, in die Scheide hineinzufassen. Frau kommt nicht umhin, das Sekret zu sehen, es auszuleeren und den Cup von Hand zu reinigen. «Die Cups eignen sich für Frauen, die keine Scheu vor dem Thema Menstruation haben», erzählt Bea Loosli. Es gebe auch anatomische Gründe, die gegen eine Menstruationstasse sprechen, erklärt die Expertin, etwa eine Gebärmuttersenkung, die das komplette Einführen nicht mehr zulässt oder einen zu schwachen Beckenboden. Manche Frauen seien so gebaut, dass sie beim Tragen einen unangenehmen Druck verspürten.

Geduld und Übung

Doch selbst wenn der Nutzung nichts im Wege steht, braucht es etwas Geduld, bis sich die Vorteile off enbaren. «Es gibt kaum eine Frau, bei der schon beim ersten Versuch alles reibungslos klappt», berichtet Bea Loosli. Viele fühlten sich an ihre ersten Versuche mit dem Tampon zurückerinnert. Zum Einführen empfi ehlt sie, etwas Gleitgel oder Wasser zu verwenden. «Nachdem die Tasse eingeführt ist, sollte man sie nochmals fast rausziehen, damit sie aufploppen kann, und dann mit einem kleinen Schubs wieder an ihren Bestimmungsort bringen.» So sitze sie dann auch richtig. Piekst dann der Rückholstiel noch, kann er mit einer Schere eingekürzt werden: «Ein gut sitzender Cup ist nicht mehr zu spüren.» Das Entfernen gelinge am besten, wenn man den Beckenboden anspanne und loslasse, den Stiel mit Daumen und Zeigefinger fasse, ihn hin- und herschaukle und schliesslich das Vakuum mit dem Finger löse. «Wenn es nicht gleich klappt: Tief durchatmen! Im entspannten Zustand geht es einfacher.»