Mikroplastik: klein aber gefährlich

Plastikmüll ist eines der drängendsten Umweltprobleme der Gegenwart. Lag der Fokus früher auf der Verschmutzung durch grosse Plastikteile, machen heute zunehmend auch winzige Kunststoffteilchen – auch Mikroplastik genannt – von sich reden. Die kleinen Plastikpartikel sind in unserem Alltag omnipräsent.

Catherina Bernaschina

Mikroplastik

Kunststoff bzw. Plastik hat einen festen Platz in unserer modernen Gesellschaft. Die Menschen produzieren immer mehr davon: Die Hälfte des zwischen 1950 und 2015 hergestellten Kunststoffs geht auf die letzten 13 Jahre zurück, wobei der grösste Anteil (79 Prozent) auf den Müllhalden und in der Umwelt landet. Weil der Zersetzungsprozess von Plastik Jahrhunderte dauert, versinkt unser Planet allmählich im Plastikmüll. Doch nicht nur Plastikflaschen, Plastiksäcke und Kunststoffverpackungen belasten die Umwelt. Eine zunehmende Gefahr geht auch von Mikroplastik aus.

So entsteht Mikroplastik

Als Mikroplastik werden winzige Kunststoffteilchen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Diese können aus Kunststoffen (Polymeren) verschiedener Art bestehen. Die winzigen Kunststoffpartikel entstehen durch die unabsichtliche oder absichtliche Freisetzung von Kunststoffprodukten. Experten unterscheiden primäres und sekundäres Mikroplastik:

  • Primäres Mikroplastik gelangt durch die gezielte Herstellung oder während der Nutzung in die Umwelt. Dabei kann es sich beispielsweise um Pellets, Flocken, Perlen oder Kunststoffgranulate handeln, die für Hygieneprodukte verwendet werden.
  • Sekundäres Mikroplastik entsteht hingegen durch die langsame Fragmentierung bzw. den Zerfall von Kunststoffprodukten in immer kleinere Teile durch Verwitterungsprozesse, UV-Strahlung oder Reibung bzw. Abrieb in der Umwelt. Auch Kunststofffasern, die sich beim Tragen und Waschen von Kleidern aus synthetischen Stoffen ablösen, sind sekundäres Mikroplastik.

Unbemerkter Begleiter im Alltag

Kunststoffmaterialien sind in unserer Umwelt allgegenwärtig, weshalb es unvermeidlich auch zu Abrieb und damit zur Freisetzung von Kunststoffpartikeln in Luft und Wasser kommt. Hauptkontaminationsquelle ist nach heutigem Kenntnisstand sekundäres Mikroplastik. Vor allem die folgenden Alltagsprodukte sind im Zusammenhang mit Mikroplastik in letzter Zeit in den Fokus gerückt:

  • Kosmetikprodukte: Mikroplastik ist in vielen Hygieneartikeln enthalten: Es kann in der Zahnpasta oder als Peelingpartikel in Hautreinigungsmitteln vorkommen. Die Plastikfragmente sind als Antistatika in Shampoos, als Bindemittel in Duschgels und in Cremes zu finden. Aber auch in Schminkutensilien wie Wimperntuschen, Lidschatten und Lippenstiften ebenso wie in Deodorants, Rasier- und Sonnencremes können die Kunststoffpartikel stecken.
  • Textilien: Auch in vielen Textilien kommt Mikroplastik vor. Und zwar in Form von synthetischen Polymeren wie Polyester, Polyamid oder Nylon. Fleecejacken sind bekannt dafür, bei einem einzigen Waschgang tausende Plastikfasern zu verlieren.
  • Lebensmittel: Fische und Muscheln nehmen die Partikel direkt mit der Nahrung auf. Mehrere Forschergruppen untersuchen derzeit, ob Mikroplastik in das Muskelgewebe der Meerestiere übertreten kann und so durch den Verzehr in den menschlichen Körper gelangt. Auch die Übertragung über die Atmosphäre ist möglich. So wurde Mikroplastik beispielsweise in Honig nachgewiesen, der höchstwahrscheinlich über die Blüten und Bienen kontaminiert wurde. Wissenschaftler halten es zudem für denkbar, dass es auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln zu einer Kontamination kommen kann.
  • Meersalz: Eine neue Studie in Südkorea und von Greenpeace East Asia zeigte, dass 90 Prozent der untersuchten kommerziellen Tafelsalze Spuren von Mikroplastik enthielten. Am höchsten war der Mikroplastikgehalt in Meersalzen.
  • Wasser: Experten schliessen bisher aus, dass Mikropartikel aus Kosmetika und Reinigungsmitteln über das Abwasser und Grundwasser in unser Trinkwasser gelangen können. Forscher vermuten jedoch, dass Kunststoffverpackungen zur Kontamination von Mineralwasser mit Mikroplastik führen können.

Auswirkungen

Die gesundheitlichen Auswirkungen der Aufnahme von Mikroplastik sind wenig erforscht und noch nicht vorhersehbar. Es ist jedoch eine Gewissheit, dass unsere Umwelt schon jetzt unter den kleinen Plastikteilchen leidet. Mikroplastik konnte bereits in Muscheln, Fischen, Plankton, Würmern und Seevögeln nachgewiesen werden. Naturschützer warnen, dass die Tiere durch die Aufnahme von im Wasser treibenden Kunststoffteilen verletzt und krank werden oder sogar verhungern können. Des Weiteren ist bekannt:

  • dass Mikroplastik aus Kosmetikartikeln über das Abwasser in die Kläranlagen gelangt. Da diese das Mikroplastik nur teilweise herausfiltern, endet es über das Abwasser letztlich in den Flüssen und Meeren.
  • wenn Textilien gewaschen werden, dass Mikroplastik ins Abwasser gelangt.
  • dass Mikroplastik aufgrund seiner Oberflächenstruktur Umweltgifte wie Farbstoffe, Insektizide und organische Chlorverbindungen förmlich anzieht.
  • dass bei der Zersetzung der Kunststoffe, giftige und hormonbeeinflussende Zusatzstoffe freigesetzt werden.

Was du tun kannst

Die Belastung durch Mikroplastik ist in Europa zwar bei weitem nicht so hoch wie beispielsweise in Asien. Die tatsächlich gemessenen Konzentrationen an Mikroplastik liegen in den bis jetzt untersuchten Gewässern in unseren Breitengraden deutlich unter den Schwellenwerten. Damit Mikroplastik nicht zu einem grösseren Umweltrisiko anwächst, als es schon ist, können Verbraucher einiges tun:

  • Informiere dich, in welchen Kosmetikartikeln und Waschmitteln Mikroplastik enthalten ist. Bezeichnungen wie Polyethylen, Polypropylen, Polyethylenterephthalat, Polyester, Polyamid, Polyurethan, Polyimid, Acrylat und Polyquaternium weisen auf Mikroplastik hin.
  • Auch hinter Inhaltstoffen wie Nylon-6 oder Polymethylmethacrylat verbergen sich Kunststoffe.
  • Verzichte möglichst auf Plastik. Meide kunststoffverpacktes Obst und Gemüse und Wegwerfbesteck aus Plastik.
  • Bevorzuge Stoff- oder Papiertüten und achte beim Kleiderkauf auf die Zusammensetzung der Textilien.
  • Werfe Plastik niemals einfach weg, sondern kontrolliere, ob es eventuell recycelbar ist.