Organuhr: So funktioniert unsere innere Uhr

Die traditionelle chinesische Medizin geht davon aus, dass die menschlichen Organe nach unterschiedlichen Arbeits- und Ruhezeiten funktionieren. Wer die einzelnen Organphasen kennt und beachtet, kann gezielt Einfluss auf seine Gesundheit nehmen.

Catherina Bernaschina

Organuhr

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Wusstest du, dass in deinem Körper eine Organuhr tickt? Nach der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) fliesst die Lebensenergie (Qi) auf unsichtbaren Leitbahnen (Meridianen) durch den Körper. Dabei werden alle paar Stunden jeweils ein Meridian und sein dazugehöriges Organ besonders gut mit Energie durchflutet. 12 Stunden danach erreicht das Organ seinen Energietiefpunkt. Im täglichen Energiekreislauf hat somit jedes Organ eine Phase, in der es zur Höchstform aufläuft und eine Phase, in der es ruht. Wenn du diese Arbeits- und Ruhezeiten beachtest und zu nutzen weisst, kannst du deine Gesundheit positiv beeinflussen. Im Folgenden erfährst du, wie du deinen Körper mit Hilfe der Organuhr bei seiner täglichen Arbeit optimal unterstützen kannst.

03:00 bis 05:00 Uhr: Lunge

Der Frühaufsteher unter den Organen ist die Lunge. Jetzt transportiert das «Qi» das Blut und somit auch den Sauerstoff am effektivsten durch deinen Körper und zu den Organen. Unterstütze den Reinigungsprozess deiner Lunge, indem du – wenn es die Aussentemperaturen zulassen – bei offenem Fenster schläfst.

05:00 bis 07:00 Uhr: Dickdarm

Nach traditioneller chinesischer Medizin ist frühmorgens der ideale Moment für die Darmentleerung. Der Körper schüttet fleissig das Hormon Kortisol aus, das dich weckt. Zudem besitzt dein Dickdarm nun die grösste Leistungsfähigkeit, um Abfall- und Giftstoffe auszustossen. Unterstützen kannst du die Darmarbeit, indem du gleich nach dem Aufstehen ein Glas lauwarmes Wasser trinkst.

07:00 bis 09:00 Uhr: Magen

Deine Verdauung ist jetzt in Hochform und dein Körper braucht nach der Entgiftung neue Nährstoffe, um in die Gänge zu kommen. Zeit also für ein energiereiches und ausgewogenes Frühstück. Dieses sollte laut TCM-Lehre am besten warm verzehrt werden. Besonders empfehlenswert sind mit Wasser oder alternativer Milch zubereitete Getreidebreis mit gedämpften Obst oder auch warme Suppen, um gut in den Tag zu starten. Damit es nicht zu negativen Energieflüssen kommt, solltest du abends am besten vor der Ruhezeit deines Magens etwas Leichtes essen. D.h. vor 19 Uhr.

09:00 bis 11:00 Uhr: Milz

Die Milz zieht während ihrer Hochphase am Vormittag die Lebensenergie Qi aus dem Frühstück, befördert sie in die Funktionskreise und wandelt sie in geistige Leistung um. In diesen zwei Stunden erreichen deine Denktätigkeit und Konzentrationsfähigkeit ihr Maximum, weshalb du die Zeit für wichtige Denkarbeiten, Lernaufgaben oder Prüfungen nutzen solltest.

11:00 bis 13:00 Uhr: Herz

In diesem Zeitfenster solltest du Stress und Anstrengung meiden und dich deinen Herzensangelegenheiten widmen: Treffe dich mit Freunden oder Kollegen zum (leichten) Mittagessen, tanke Energie und erfreue dich am Leben. Denn gemäss TCM geht das geöffnete Herz zwischen 11 und 13 Uhr in die Zunge über und fördert so unsere sprachliche Ausdruckskraft. Von 23 bis 1 Uhr ist die Herzenergie hingegen am tiefsten. Dein Geist sollte dann zur Ruhe kommen.

13:00 bis 15:00 Uhr: Dünndarm

Wenn dein Körper zwischen 13 und 15 Uhr schlapp macht, hat das nicht unbedingt mit einem schweren Mittagessen zu tun. Der Körper befindet sich gerade im Mittagstief, weil alle Energie im Dünndarm angesammelt ist. Die Nahrung wird gerade verdaut, was Blut benötigt und den Blutdruck senkt. Wenn möglich, solltest du jetzt eine kleine «Siesta» einlegen und den Dünndarm arbeiten lassen. Nachts um 1 bis 3 Uhr dagegen hat der Dünndarm sein Energietief und auch der Magen legt eine Verdauungspause ein.

15:00 bis 17:00 Uhr: Blase

Nach dem Mittagstief kommen die Blase und der Körper auf Touren. Dir steht wieder mehr Energie für geistige und körperliche Aktivitäten zur Verfügung. Du musst aber auch öfter auf die Toilette, weil deine Harnblase jetzt besonders effektiv arbeitet. Entweder machst du jetzt Sport oder du widmest dich wichtigen geistigen Tätigkeiten. Denn dein Blutdruck und Kreislauf erreichen nochmals ihr Maximum. Trink viel Wasser oder ungesüssten Tee, um deine Blase in ihrer Funktion zu unterstützen.

17:00 bis 19:00 Uhr: Niere

Die Niere ist nach der TCM ein Schlüsselorgan, das den Energiehaushalt reguliert. Zudem ist sie für das Wachstum, den Sexualtrieb und die Fortpflanzung zuständig. So ist die Nierenzeit auch eine gute Zeit, um einem eventuellen Kinderwunsch nachzugehen. Probleme mit dem Nierenmeridian können hingegen zu Wachstumsstörungen, Schlaflosigkeit sowie sexuellen Störungen führen. Da Puls und Blutdruck am Abend sinken, ist nun auch der richtige Moment, um zur Ruhe zu kommen. Eine Tasse Kräutertee hilft deinen Nieren beim Entgiften.

19:00 bis 21:00 Uhr: Perikard

Dein Kreislauf stellt nun auf den Ruhemodus um. Auch der Magen befindet sich im Energietief, während das Qi durch den Perikard-Meridian fliesst. Der Perikard oder Herzbeutel ist anatomisch kein Organ, sondern eine Hülle, die das Herz umschliesst und in der TCM den Stoffwechsel darstellt. Seine Funktion ist es, die Herzenergie vor negativen Einflüssen zu schützen. Diese Zeit eignet sich gut zum Meditieren, Lesen und zum gemütlichen Zusammensein. Probleme im Perikard-Meridian können zu Beschwerden wie Herzrasen, Bluthochdruck, Magen- und Verdauungsproblemen führen.

21:00 bis 23:00 Uhr: Dreifach-Erwärmer

Auch der Dreifach-Erwärmer (Sanjiao) lässt sich anatomisch keinem Organ zuordnen. Er herrscht als Partnermeridian des Perikards über das Nervensystem und alle Stoffwechselfunktionen und sorgt für einen ungehinderten Fluss der Lebensenergie. In der Maximalzeit des Dreifach-Erwärmers bereitet sich dein Körper auf die Nachtruhe vor. Blutdruck und Puls sinken weiter, die Verdauung befindet sich in der Erholungsphase. Nimm dir Zeit zum Faulenzen, Entspannen oder Meditieren, um herunterzufahren.

23:00 bis 01:00 Uhr: Gallenblase

Die Gallenblase ist eng mit der Leber verbunden. Wer zu diesen Stunden nicht schlafen geht, riskiert, die Energiereserven dieser beiden Organe aufzubrauchen. Auch Essen, Rauchen und Alkohol belasten den Körper jetzt besonders. Dies ist die Zeit der Regeneration: Der Stoffwechsel ist träge, Herzfrequenz, Temperatur und Blutdruck sind heruntergefahren. Auch deine Haut regeneriert sich jetzt. Da die Gallenblase zum Verdauen von Fetten benötigt wird, kann es bei einer Blockade des Gallen-Qi (etwa durch schwere Speisen) zu einer gestörten Fettverdauung kommen.

01:00 bis 03:00 Uhr: Leber

Nachts um ein bis drei Uhr, wenn der Dünndarm ruht, arbeitet und entgiftet die Leber auf Hochtouren. In dieser Zeit sollte der Schlaf nicht gestört werden. Jedoch wachen Personen mit Leberproblemen meist dann auf, da der Lebermeridian sehr energiegeladen und das Organ besonders stauungsanfällig ist. Stauungen können durch Lebensmittel aber auch durch negative Emotionen entstehen. Abhilfe bei leichten Leberbeschwerden können bestimmte Bitterstoffmischungen (Spagyrik oder Urtinkturen) aus der Drogerie oder Apotheke schaffen. Auch Mariendistel-Tee kann helfen, die Leberzellen zu regenerieren.