Richtig sonnen – Haut schützen, Sommer geniessen!

Die Sonne ist sowohl Freund als auch Feind: Ohne Vitamin D können wir nicht leben, doch zu viel Sonne kann Hautkrebs verursachen. Es braucht ein paar Verhaltensregeln und einen richtigen Sonnenschutz – dann steht einem ausgelassenen Sommer nichts mehr im Weg.

© dmitrimaruta, de.123rf.com

Die Sonne sorgt über die Haut dafür, dass wir unseren Vitamin-D-Bedarf zu 90 Prozent selbst abdecken können. Vitamin D ist essenziell für eine gesunde Knochenbildung bei Kindern, aber auch für den Knochenstoffwechsel bei Erwachsenen. Überdies scheinen ausreichend hohe Vitamin-D-Spiegel das Risiko für sehr unterschiedliche Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Depression, Morbus Crohn, Multiple Sklerose oder Krebs zu reduzieren. Auf der anderen Seite kann zu viel Sonne die DNA in der Haut schädigen und zu Tumoren führen. Tatsächlich steht UV-Licht als Krebsauslöser auf einer Stufe mit Rauchen und Asbest. Hautkrebserkrankungen zeigen bei uns derzeit eine der höchsten Steigerungsraten unter allen Krebserkrankungen.

Wie viel Sonne ist gesund?

Um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung sicherzustellen, würde eigentlich ein kurzer Aufenthalt in der Sonne reichen. Das könnte eine zehnminütige Mittagspause unter freiem Himmel mit unbedeckten Armen, Beinen oder Dekolleté sein oder ein Spaziergang am späteren Nachmittag nach der Arbeit. Trotzdem besteht oft das Bedürfnis, länger in der Sonne zu sein, weil es einfach gut tut. Vor allem in der Freizeit und den Ferien wollen wir so viel wie möglich Sonne tanken. Allerdings sollten dabei einige Regeln beachtet werden. Wichtig ist es, der Haut die Chance zu geben, sich langsam an die Sonne zu gewöhnen. Gleichzeitig sollte sie mit einem UV-Filter geschützt werden.

Hoher oder niedriger Lichtschutzfaktor?

Sonnenschutzmittel werden in Form von unzähligen Cremes, Gels und Sonnensprays angeboten. Verschiedene Verbrauchertests haben gezeigt, dass die Schutzwirkung von preisgünstigen Produkten nicht schlechter ist als die von teureren. Wichtig ist vor allem ein ausreichender Lichtschutzfaktor. Lichtschutzfaktor 30 bedeutet, dass man sich 30-mal länger in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, als dies ohne ein Sonnenschutzmittel möglich wäre. «Allerdings ist das reine Theorie», sagt der Dermatologe Prof. Dr. med. Günther Hofbauer aus Wetzikon. Denn die Hersteller setzen für die Ermittlung des Lichtschutzfaktors zwei Milligramm Creme pro Quadratzentimeter Haut ein – auf den Körper hochgerechnet sind das vier grosse Esslöffel. «Eine solche ungeheure Crememenge trägt aber niemand auf», so der Experte. «Tatsächlich verwenden die Leute nur rund ein Drittel der Menge, die eigentlich notwendig wäre. Wenn wir also Lichtschutzfaktor 50 auftragen und glauben, wir haben uns gut eingeschmiert, tragen wir in Wirklichkeit nur Lichtschutzfaktor 15 oder 18 auf unserer Haut. Vor diesem Hintergrund macht es sehr viel Sinn, einen hohen Lichtschutzfaktor zu nehmen.» Bei einem kürzeren Aufenthalt in der Sonne ist ein Lichtschutzfaktor von 20 oder 25 ausreichend, um sich vor einem Sonnenbrand zu schützen. Will man jedoch ein ausgiebiges Sonnenbad nehmen, darf es auch mehr sein.

Die grössten Fehler beim Eincremen

Viele Menschen verwenden Sonnencreme nur dann, wenn sie planen, in die Sonne zu gehen. Das sei jedoch ein grosser Fehler, so Günther Hofbauer. «Die Leute vergessen völlig, dass sie auch an normalen Tagen Sonnenlicht kassieren. Das reicht zwar normalerweise nicht für einen Sonnenbrand, aber sehr wohl für einen kumulativen Sonnenschaden.» Solche ständigen leichten Sonnenschäden können sich über die Jahre anhäufen und im höheren Alter zu weissem Hautkrebs in Form von aktinischen Keratosen, Basalzellkarzinomen oder Plattenepithel-karzinomen führen. Es ist kein Wunder, dass vor allem die «Sonnenterrassen» des Körpers wie Gesicht, Glatze, Ohren, Handrücken oder Unterarme davon betroffen sind. Aber gerade solche Stellen werden häufig beim Eincremen vergessen. Wer es ganz korrekt machen will, sollte den Sonnenschutz 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad auftragen, da er die optimale Wirkung erst nach ein bisschen Vorlaufzeit entfaltet. Nächster Punkt: Beim Schwitzen oder Baden geht ein Teil des Sonnenschutzes verloren. So bedeutet die Bezeichnung «wasserfest» nicht, dass nach dem Schwimmen noch der gleiche Schutz vorhanden ist wie davor. Deshalb wird empfohlen, sich nach dem Baden erneut einzucremen. Und schliesslich sollte man nicht glauben, dass die Verwendung von Sonnencreme ein Freipass dafür ist, sich unbegrenzt der prallen Sonne auszusetzen. Nach einem Sonnenbad braucht die Haut eine Ruhephase, in der die körpereigenen Reparationsprozesse wirken können.

Behutsames Eingewöhnen

Auf einem ungeschützten Körper droht aber nicht nur ein Sonnenbrand. Wird die Haut nach längerer Sonnenabstinenz plötzlich intensivem UV-Licht ausgesetzt, kann es nach wenigen Stunden oder Tagen, beispielsweise an Dekolleté, Armen oder Oberschenkeln, zu einem unangenehmen Phänomen kommen: die Haut beginnt zu jucken, sie zeigt rote Flecken und wirft kleine Bläschen. Eine solche «Sonnenallergie» ist in den meisten Fällen keine Allergie, sondern eine sogenannte polymorphe Lichtdermatose. Auslöser ist eine ungewohnt intensive UV-A- und -B-Strahlung. In der Schweiz sind über zehn Prozent der Menschen davon betroffen, vor allem junge Erwachsene, darunter mehr Frauen als Männer. Als erste und wichtigste Massnahme sollte die Sonne gemieden werden. Normalerweise bilden sich die juckenden Haut-veränderungen dann innerhalb von wenigen Tagen wieder zurück. Bei stärkeren Symptomen können oberflächlich aufgebrachte, kortisonhaltige Mittel oder Antihistaminika helfen. Auch feuchte Umschläge lindern den Juckreiz. Wer solchen Beschwerden vorbeugen will, sollte die Haut möglichst behutsam an die Sonne gewöhnen und sich vor der UV-Strahlung durch entsprechende Kleidung und Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor schützen. Allerdings bricht die Sonnenallergie bei empfindlichen Menschen im Folgejahr oft erneut wieder aus. Auch durch die prophylaktische Einnahme von Calcium kann man versuchen, zum Beispiel vor einer Reise in die südliche Sonne, den Ausbruch einer Sonnenallergie zu verhindern oder abzudämpfen.

Schatten mit Tücken

Für Dermatologen wie Günther Hofbauer sind Sonnenschutzmittel eigentlich nur die – wichtige – «Abrundung» eines sinnvollen Umgangs mit intensiver Sonne. «Prinzipiell sollten wir im Sommer zwischen elf und drei Uhr den Schatten aufsuchen. Wer sich dazu mit einer guten Körperbedeckung schützt, also langen Ärmeln, langer Hose und einem Hut auf dem Kopf, hat schon sehr viel gewonnen.» Allerdings hat auch der Schatten seine Tücken. So dringen durch eine Wolkendecke immer noch 50 Prozent der UV-Strahlung, die sonst bei klarem Himmel durchkäme. «Auch bei kalten hellen Tagen haben wir viel UV-Licht. Wer an einem wolkigen Tag in die Berge geht, kann sich jämmerlich verbrennen. Sogar bei Regen kann man zu viel Sonne abbekommen», so der Hautspezialist. Wasser ist im Sommer ebenfalls tückisch. Wenn Hobbyforscher in der Mittagssonne knapp unter der Wasseroberfläche schnorcheln, merken sie oft nicht, wie sehr die Sonne auf ihren Rücken brennt. Tatsächlich dringen UV-Strahlen mindestens in 50 Zentimeter Wassertiefe. Es ist daher ratsam, in solchen Fällen UV-resistente Textilien zu tragen.