Richtig stillen – aller Anfang ist schwer

Stillen ist eines der natürlichsten und schönsten Dinge des Lebens. Und Muttermilch die beste Nahrung für Säuglinge. Doch nicht immer gelingt das Brustgeben problemlos und gleich von Beginn an. Wir zeigen dir, worauf du achten musst, um mit deinem Baby gut in die Stillzeit zu starten.

Catherina Bernaschina

Richtig stillen

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Viele werdende Mütter freuen sich auf das Stillen. Gross ist entsprechend die Enttäuschung, wenn Anlaufschwierigkeiten die Stillerfahrung trüben. So manches Stillproblem lässt sich glücklicherweise durch etwas Übung und richtige Brustpflege überwinden. Und dranbleiben lohnt sich: Denn Muttermilch ist und bleibt die beste Nahrung für Babys. Sie enthält nicht nur alles, was die neuen Erdenbürger zum Heranwachsen brauchen, sondern hilft auch präventiv gegen Allergien. Zudem unterstützt das Stillen die Gebärmutterrückbildung der Mutter nach der Geburt, senkt ihr Risiko für Typ-2-Diabetes und fördert die Mutter-Kind-Bindung.

Richtig ansetzen

Schon kurz nach der Geburt wird dein Baby seine erste Stillmahlzeit einnehmen. Das Ansetzen will geübt sein. Anfangs wird dein Baby vielleicht Mühe haben, deine Brustwarze mit seinem Mund zu fassen. Du kannst es unterstützen, indem du eine bequeme Haltung für euch beide einnimmst und sein Köpfchen sanft aber zügig zu deiner Brustwarze führst. Kneif deine Brustwarze mit Zeige- und Mittelfinger horizontal zusammen und führ sie zu den Lippen deines Babys. Dein Kind wird so leichter «andocken» können. Zu den gängigsten Stillpositionen gehören die Wiege-, Seiten- und Liegehaltung. In der Wiegeposition sollte der Rumpf deines Babys deinen Bauch berühren. Hilfreich kann ein Stilkissen sein. Lass dir auf dem Wochenbett durch eine Hebamme die entsprechenden Techniken aufzeigen. Die obligatorische Grundversicherung deckt zudem die Kosten von drei Stillberatungen.

Wie oft und wie lange?

Die erste Milch, die aus der Mutterbrust austritt, heisst Kolostrum. Diese dicken Tropfen sind reich an Abwehrstoffen und wirken wie eine natürliche Impfung. Lass dein Kind in den ersten Tagen so oft wie es danach verlangt, an deiner Brust trinken. Das regt die Milchbildung optimal an und verkürzt die Zeit bis zum Milcheinschuss. Nach zehn bis vierzehn Tagen ist die Muttermilch «reif». Jedes Kind hat ein individuelles Trinkverhalten. Grundsätzlich lautet die Empfehlung, nach Bedarf zu stillen. Durchschnittlich trinkt ein Baby alle zwei bis vier Stunden für eine Dauer von ca. 20 Minuten pro Brust. Anzeichen, dass dein Kind genug Milch bekommt, sind mindestens sechs nasse Windeln in 24 Stunden, regelmässiger Stuhlgang, eine konstante Gewichtszunahme sowie ein zufriedenes Gesichtchen nach dem Stillen. Anzeichen, dass dein Baby Hunger hat, sind Saugbewegungen, Lippenlecken, Händelutschen sowie suchende Kopfbewegungen und Schreien bei grossem Hunger.

Zur Prävention von Allergien solltest du während der ersten vier Monate – sofern möglich – ausschliesslich stillen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ausschliessliches Stillen bis zum sechsten Lebensmonat. Ab dem siebten Monat bis ins zweite Lebensjahr sollte das Kind zusammen mit einer altersgerechten Beikost weiterhin gestillt werden. Die Milchproduktion wird von den Bedürfnissen deines Kindes gesteuert, wobei deine Brustgrösse keinen Einfluss auf die Milchmenge hat. Eine kleine Brust kann genauso viel Milch produzieren wie eine grössere.

Milchstauungen und Mastitis

Mit dem Milcheinschuss geht eine initiale Brustdrüsenschwellung einher. Erschrick also nicht, wenn deine Brüste plötzlich heiss und schmerzhaft prall werden. In der Regel gehen die Symptome nach ein paar Tagen wieder vorbei. Wichtig ist, dass dein Baby deine Brüste gut entleert, um Milchstauungen vorzubeugen. Kommt es dennoch wiederholt zu verhärteten, prallgefüllten Brüsten, können wärmende Wickel vor dem Stillen und kühlende Kompressen danach Linderung verschaffen. Du kannst die überschüssige Milch auch von Hand ausstreichen oder abpumpen. Manchmal kann ein Milchstau in eine Brustentzündung (Mastitis) übergehen. Dabei kommt es zu Fieber und grippeähnlichen Symptomen. In solchen Fällen solltest du umgehend deinen Arzt kontaktieren.

Problematische Brustwarzen

Hast du Flach- oder Hohlwarzen, kannst du «Brustwarzenformer» oder «Stillhütchen» tragen, die deine Brustwarzen beim Aufrichten unterstützen. Sind deine Brustwarzen in der ersten Stillphase wund, können Lanolinsalbe sowie luftdurchlässige Brustwarzenschoner helfen – sofern es sich nicht um eine Pilzinfektion (Soor) handelt, die einer medikamentösen Behandlung bedarf. Die beste Prävention gegen schmerzhafte Risse in den Brustwarzen ist das korrekte Ansetzen des Babys. Ändere deine Stillposition zu Beginn der Stillzeit regelmässig, um die Brustwarzen unterschiedlich zu belasten. Schmerzen die Brustwarzen extrem, kann eine Stillpause sinnvoll sein. Du kannst die Milch in dieser Zeit abpumpen und sie deinem Kind mit dem Fläschchen geben.

Weitere Still-Tipps

  • Drücke vor dem Anlegen ein paar Tropfen Muttermilch aus deiner Brust. Der Milchgeruch weckt den Trinktrieb deines Kindes
  • Bei schmerzenden Brustwarzen legst du dein hungriges Baby zuerst an der weniger wunden Seite an
  • Lass dein Baby nach jeder Mahlzeit ein Bäuerchen machen. So kann verschluckte Luft entweichen