Selbstliebe – steh dir nicht selbst im Weg!

Kaum ein Mensch ist rundum mit sich zufrieden. Fast jeder hat etwas an sich auszusetzen. Dabei kann Selbstkritik durchaus eine Tugend sein. Wer sich jedoch permanent kleinredet, dem fehlt es an Selbstliebe. Darunter leidet längerfristig auch das Ego. Lerne, dich selbst liebzuhaben, und deine Mitmenschen werden es dir gleichtun.

Catherina Bernaschina

Selbstliebe

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«Sei nicht so selbstkritisch! Mach dich nicht selbst fertig! Akzeptier dich, wie du bist!» Kennst du solche Ratschläge? Sie sind schnell gesagt und meist gut gemeint. Doch ganz so einfach ist es nicht mit der Selbstliebe. Wer mit sich hadert, kann sich nicht von heute auf morgen ändern. Dabei bleibt unser Selbstbild auch der Umwelt nicht verborgen. Denn was wir fühlen, das strahlen wir aus. Selbst eine wunderschöne Frau verliert an Attraktivität, wenn sie an sich selbst zweifelt und dadurch unsicher auftritt.

Selbstliebe ist nicht Narzissmus

Selbstliebe hat nichts mit Narzissmus bzw. Selbstverliebtheit gemein: «Selbstliebe impliziert, die eigenen Grenzen und Schwächen zu kennen und zu akzeptieren. Der Narzissmus hingegen ist keine Form der Liebe. Er ist die Illusion eines grandiosen Selbst, hinter dem sich eine grosse Zerbrechlichkeit verbirgt», erklärt Clementina Parisi, Psychologin und Psychotherapeutin, spezialisiert in Individual- und Paartherapie.

Die Liebe zu anderen funktioniert nicht ohne Selbstliebe

Fehlende Selbstliebe kann auf die Dauer auch Beziehungen schaden. Dabei lässt sich an der Beziehung zu anderen oft auch die Beziehung zu einem selbst ablesen: «Wer sich selbst nicht lieb hat, ist in der Regel tief davon überzeugt, nicht liebenswert zu sein. Die Person wird also alles dafür tun, um die Gunst des anderen zu erwerben. Oft kommt es dabei zur Selbstaufgabe. Dies kann auf lange Sicht gravierende Folgen für die Beziehung haben», so Clementina Parisi.

Häufiges Vergleichen verunsichert

Eine Teilschuld daran, dass wir uns minderwertig fühlen, haben vermehrt auch Social Media. Sie sind ein Paradebeispiel dafür, wohin ständiges Vergleichen führen kann: Soziale Medien machen uns unglücklich, indem sie uns ständig vorhalten, wie andere ein spannenderes und glücklicheres Leben zu führen scheinen. Die Betonung liegt auf Scheinen. Denn die wenigsten von uns jetten nonstop um die Welt, haben tausende Freunde und unternehmen täglich tolle, ausgefallene Dinge. Mittlerweile gibt es etliche Studien zu diesem neuen Minderwertigkeitsphänomen. Eine davon ist das «Facebook Experiment». Die Studie des dänischen Happiness Research Institute brachte unter anderem hervor, dass:

  • 50 Prozent der Befragten auf die fantastischen Erlebnisse neidisch sind, die andere posten.
  • ein Drittel der Befragten beneidet, wie glücklich andere in ihren Posts wirken.
  • 40 Prozent der Befragten den scheinbaren Erfolg der anderen beneiden.
  • Personen, die das soziale Medium nutzen, zu 39 Prozent weniger glücklich sind als ihre Mitmenschen, die kein Facebook haben.

Selbstliebe-Tipps

Je länger die Selbstzweifel anhalten, desto mehr beeinflussen sie unsere Persönlichkeit in negativer Weise. Für ein Eingreifen ist es allerdings nie zu spät. Um dich selbst zu mögen und ein gesundes Selbstbild zu erlangen, kannst du so einiges tun:

  • Vergleich dich weniger: Ob in der virtuellen oder realen Welt: Miss dich nicht permanent mit deinen Mitmenschen – und schon gar nicht mit Berühmtheiten oder Influencern. Sie sind kein Abbild der normalen Gesellschaft. Und denk daran: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
  • Sei kein Perfektionist: Wer dauern nach Perfektionismus strebt, wird nie mit sich zufrieden sein. Wie heisst es doch so schön: nobody is perfect.
  • Verteidige deine Werte: Steh für deine Ideen ein und achte dich selbst. Lerne, nein zu sagen, wenn dir etwas nicht passt. Nicht die anderen bestimmen über dein Leben, sondern du selbst.
  • Achte auf dein Umfeld: Gib dich nicht mit Leuten ab, die an deinem Selbstwertgefühl kratzen oder bei denen du dich verstellen musst.
  • Konzentrier dich auf deine Stärken: Anstatt deine Schwächen hervorzuheben, solltest du dich auf deine Qualitäten fokussieren. Zeig auch ruhig deinen Mitmenschen, was du kannst und sei stolz auf dich.
  • Trau dich: Geh Herausforderungen nicht aus dem Weg. Vor allem, wenn sie dir viel bedeuten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Und vor allem: Sei nicht dein eigener Feind! «Um zu lernen, uns selbst zu lieben, müssen wir die Stimme unseres inneren Verfolgers demaskieren. Jedes Mal, wenn uns ein ‹Ach wie blöd von mir› oder ‹Ich bin eh unfähig› herausrutscht, sollten wir innehalten, einmal kurz durchatmen und uns innerlich widersprechen», rät die Psychologin und Psychotherapeutin.