Trennkost einfach erklärt

Wer sich nach einer Abnehmdiät umschaut, stolpert irgendwann unweigerlich über die Trennkost. Obwohl der Ernährungsansatz aus der Vorkriegszeit stammt, hat er immer noch viele Anhänger. Wir erklären dir kurz und bündig, wie Trennkost funktioniert und was die Vor- und Nachteile der bekannten Diät sind.

Catherina Bernaschina

Trennkost

Wer hat’s erfunden? Der US-amerikanische Arzt Dr. William Howard Hay. Als der Mediziner knapp 40 Jahre alt war, litt er an einer lebensbedrohlichen Nierenentzündung. Hays begann die Ernährung von Naturvölkern zu studieren und stellte 1907 eine Diät zusammen, die ihn in wenigen Monaten genesen liess. Die Trennkost war geboren.

Die Theorie dahinter

Die Diät stützt sich auf die Vermutung, dass das Säure-Basen-Gleichgewicht im menschlichen Körper wegen falschen Ernährungsgewohnheiten aus dem Gleichgewicht geraten ist. Der Körper würde deshalb zu viel Säure produzieren. Die Folge dieser Übersäuerung sind Verdauungsprobleme, Übergewicht und eine höhere Anfälligkeit für bestimmte Zivilisationskrankheiten wie etwa Gicht, Asthma und Rheuma. Hay behauptete ausserdem, dass eiweisshaltige und kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel zusammen nicht gut verdaut werden können. Dies, weil laut Theorie der menschliche Verdauungstrakt beide Nährstoffe nicht gleichzeitig optimal aufspalten kann. Unvollständig verdaut würden die Nährstoffe im Dünndarm zu Säurebildung führen, so Hays Theorie.

Regel Nr. 1: Kohlenhydrate und Eiweiss getrennt essen

Nach dem Trennkostprinzip soll man für die richtige Säure-Basen-Balance Kohlenhydrate und Eiweiss getrennt zu sich nehmen – daher das Wort «Trennkost». In die Kohlenhydratgruppe fallen etwa Kartoffeln, Pasta, Reis, Vollkornprodukte, Bananen und getrocknetes Obst. Zur Eiweissgruppe zählen zum Beispiel Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Käse mit einem Fettanteil bis 55 Prozent und saures Obst wie etwa Beeren, Stein- und Kernobst. Kohlenhydrate und Eiweiss dürfen aber beliebig mit der dritten Gruppe, den neutralen Lebensmitteln kombiniert werden. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise:

  • Gemüse und Salate
  • Nüsse, Kerne und Samen
  • Kräuter, Öle und Gewürze
  • gesäuerte Milchprodukte wie Buttermilch, Sauermilch, Kefir, Joghurt, saure Sahne, und Crème fraîche
  • Frischkäsesorten wie Quark, Hüttenkäse, Ricotta, Mascarpone, Mozzarella, Schafskäse und Ziegenfrischkäse

Regel Nr. 2: Basenbildende Lebensmittel bevorzugen

Die zweite Trennkostregel besagt, dass man Lebensmittel vorziehen sollte, bei deren Verstoffwechselung hauptsächlich Basen entstehen. Als starke Basenbildner gelten laut Trennkosttheorie insbesondere pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Kartoffeln.Diese Lebensmittel sollen etwa 80 Prozent der Ernährung ausmachen. Starke Säurebildner sind hingegen zum Beispiel Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Süsses sowie Weissmehl. Ihr Anteil bei der Ernährung ist auf 20 Prozent zu beschränken.

Regel Nr. 3: Jede Lebensmittelgruppe zu ihrer Zeit

Laut der Trennkosttheorie sollen die kohlenhydrathaltigen Speisen vorrangig morgens und (früh) abends und die Eiweissmahlzeit mittags verzehrt werden. Zwischen den Mahlzeiten sollen jeweils drei- bis vierstündige Essenspausen liegen. Das reichhaltigste Gericht soll als Mittagsmahlzeit eingenommen werden. Es wird zudem empfohlen, Süsses und Obst nicht zusammen mit den Hauptmahlzeiten zu verspeisen sowie Obst und Gemüse oft roh zu verzehren. Eine Auswahl an leckeren Trennkostrezepten findest du hier.

Was für die Diät spricht

Ein entscheidender Unterschied zu vielen eintönigen Diäten: Die Trennkost ist vielseitig. Den Kombinationsmöglichkeiten von Kohlenhydraten bzw. Eiweiss mit neutralen Lebensmitteln sind keine Grenzen gesetzt. Zudem gibt es keine Lebensmittel, die bei der Trennkost verboten sind. Auch das Kalorienzählen und Hungern fällt weg. Weitere positive Aspekte der Trennkost sind der hohe Verzehr von Obst und Gemüse und der geringe Fleischkonsum. Mit der Trennkost hält man die Verdauung in Schwung, kurbelt den Fettstoffwechsel an und nimmt gleichzeitig ab.

Was dagegen spricht

Die Theorie der Trennkostlehre ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt. Die Forschung hat herausgefunden, dass die Behauptung, der Organismus könne Eiweiss und Kohlenhydrate nicht gleichzeitig verdauen, nicht stimmt. Eine Übersäuerung bei normaler Mischkost ist bei gesunden Menschen nicht zu befürchten, da verschiedene Puffersysteme den Säure-Basen-Spiegel im Körper konstant halten. Zudem enthalten viele Lebensmittel sowohl Kohlenhydrate als auch Eiweiss, womit eine strikte Trennung gar nicht möglich ist. Kritiker befürchten zudem, dass durch das Prinzip der Trennkost eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen nicht gesichert ist: «Eine vollwertige Ernährung nach den Hayschen Lehren ist auf Dauer nur eingeschränkt möglich, da die Lebensmittelauswahl nicht ausgewogen ist», so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Fazit

Die Trennkost ist eine fett- und energiearme Ernährungsform, die auf viel Gemüse und Obst basiert. Sie ist salz-, zucker- und cholesterinarm und reich an verschiedenen gesundheitsfördernden Nährstoffen. Kein Wunder, dass die Diät mittelfristig die Pfunde zum Purzeln bringt und das Wohlbefinden steigert. Als Dauerkost ist sie dennoch nicht zu empfehlen. Vor allem die starke Einschränkung der säurebildenden Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Getreide wirkt sich längerfristig negativ auf die menschliche Nährstoffversorgung aus.