Übergewicht bei Kindern: Ursachen und Prävention

Übergewicht ist zur Volkskrankheit geworden, deren Hauptopfer unsere Kinder sind. Die Zahl der zu dicken Kinder nimmt in vielen westlichen Ländern stetig zu. Wir gehen den Ursachen auf den Grund und zeigen auf, was du tun kannst, wenn dein eigenes Kind von Übergewicht betroffen ist.

Catherina Bernaschina

Übergewicht bei Kindern

Ca. 14 Millionen Kinder in Europa bringen zu viel auf die Waage – Tendenz stark steigend. Obwohl der Anteil übergewichtiger und fettleibiger Kinder hierzulande leicht am Zurückgehen ist, stimmen die Zahlen immer noch bedenklich: Rund 19 Prozent der Schweizer Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig (BMI* zwischen 25 und 29,9). Sieben Prozent sind krankhaft übergewichtig bzw. fettleibig (BMI ≥ 30).

Ursachen von Übergewicht

Zu den Hauptursachen von Übergewicht zählen Fehlernährung und Bewegungsmangel. Die zu vielen Kilos sind dabei das Ergebnis einer positiven Energiebilanz, die entsteht, wenn der Körper im Laufe der Zeit mehr Kalorien zugeführt bekommt, als er verbrennen kann. Gemäss einer amerikanischen Studie kann zudem zu viel tierisches Eiweiss (insbesondere aus Milchprodukten) im Säuglingsalter am späteren Übergewicht schuld sein, während Stillen Übergewicht vorbeugt.  Nicht zu unterschätzen sind auch psychologische Faktoren wie Stress, sozialer Druck und Spannungen, die Kinder zuweilen mit Nahrung kompensieren.

Risiken

Aus sozialer Sicht wirkt sich das Übergewicht negativ auf die Teilhabe an sportlichen und spielerischen Aktivitäten mit Gleichaltrigen aus, was zu einem geringen Selbstwertgefühl und zu Mobbing führen kann. Doch noch viel gravierender sind die gesundheitlichen Risiken: Übergewicht kann Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Gallensteine, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hormonelle Störungen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen begünstigen. Mögliche Folgen sind auch Rückenschmerzen und Wirbelsäulenprobleme durch Haltungs- und Bewegungsschäden.

Prävention beginnt in der Familie

Die Prävention sollte bereits im frühkindlichen Alter ansetzen, wobei den Eltern eine Schlüsselrolle zukommt. Sie sollten ihren Kindern durch einen gesunden (sportlichen) Lebensstil und richtige Ernährungsgewohnheiten mit gutem Beispiel vorangehen. Eine Studie der City University London in Zusammenarbeit mit der London School of Economics brachte hervor, dass die Ursache von Übergewicht bei Kindern mehr auf den Lebensstil der Eltern, als auf genetische Faktoren zurückzuführen ist. Forscher haben zudem herausgefunden, dass Kinder, die sich im Alter von fünf Jahren körperlich viel betätigen, im späteren Leben vor Übergewicht geschützt sind, selbst wenn sie keinem Sport mehr nachgehen. Die Vermutung ist, dass sportlich aktive Kinder weniger Fettzellen entwickeln und besser auf Insulin ansprechen.

Übergewicht bekämpfen

Was tun, wenn dein Kind übergewichtig ist? Die erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt. Er überprüft den Gesundheitszustand deines Kindes und weist euch gegebenenfalls an einen Ernährungsberater weiter. Gegen die zu vielen Speckröllchen hilft längerfristig nur eine konsequente Ernährungsumstellung kombiniert mit Sport. Dieser Lebenswandel wird deinem Kind am einfachsten gelingen, wenn die gesamte Familie mitmacht. Mit folgenden Ernährungsmassnahmen kannst du es beim Abnehmen bzw. beim Erhalten eines gesunden Gewichts unterstützen:

Do‘s:

  • So oft es geht, selbst kochen und auf Fertiggerichte verzichten
  • Wenn die Kinder beim Kochen mithelfen dürfen, sind sie eher bereit, auch Gemüse und andere gesunde Dinge zu probieren
  • Essen ist ein Gemeinschaft stiftendes, sinnliches Erlebnis: Esst so oft es geht gemeinsam am Familientisch, mindestens aber ein bis zwei Mahlzeiten am Tag
  • Olivenöl zum Kochen und Backen
  • Essentielle Omega-3-Fettsäuren (z.B. Leinöl, Walnüsse und fetter Fisch). Sie sind für das richtige Fettsäure-Verhältnis bei Übergewicht von grosser Bedeutung
  • Kräuter und Gewürze zum Würzen verwenden
  • «Gute» Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Früchte und Gemüse, die den Blutzuckerspiegel weniger ansteigen lassen
  • Gesunde Zwischenmahlzeiten wie Knäckebrot, Studentenfutter, Obst, Rohkost und fettarmes Joghurt
  • Kaloriensparende Zubereitungsarten wie Dämpfen oder Grillen
  • Kreative, abwechslungsreiche Menus
  • Wasser: Gewöhne dein Kind daran, viel (kalorienfreie) Flüssigkeit zu trinken
  • Ab und zu ein kleines Guetzli oder ein Stück Schoggi oder Kuchen sind erlaubt. Denn: Verbietest du deinem Kind diese Dinge, werden sie erst richtig interessant. Und sie werden bei nächster Gelegenheit, zum Beispiel einer Geburtstagsparty, so viel wie möglich davon essen

Don‘ts:

  • Kinder müssen den Teller nicht leer essen und müssen auch nicht zwingend alles essen, was gekocht wurde. Versuch dein Kind aber dafür zu motivieren, wenigstens einen mini Bissen zu probieren
  • Gesät­tig­te Fett­säu­ren (z.B. in But­ter, Milch­pro­duk­ten, Fleisch, Wurst­wa­ren, Fastfood und Fertiggerichten) die den Stoff­wech­sel verlangsamen und den Cholesterinspiegel erhöhen
  • Gefässverstopfende, dickmachende Transfette. Sie sind z.B. in Pommes, Chips, frittierten Lebensmitteln, Trockensuppen und in Paniertem enthalten
  • Salz zum Würzen
  • «Schlechte» Kohlenhydrate in Form von Weissmehlprodukten, die zu Heisshungerattacken und damit zu Übergewicht führen
  • Kalorienreiche Snacks, Schleckzeug, Schokolade und industrielles Glace
  • Süssgetränke – sie sollten nur ausnahmsweise an besonderen Anlässen erlaubt sein
  • Und: Übertreibe es nicht mit gut gemeinten Präventionsmassnahmen, zum Beispiel durch ständiges Thematisieren von gesundem Essen und Diäten. Dies kann wiederum das Risiko einer Essstörung wie Magersucht oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht) erhöhen. So sind bereits 10% der Frauen zwischen 16 und 34 Jahren untergewichtig

Bewegungstipps

  • Geh mit gutem Beispiel voran, wenn du mit deinem Kind unterwegs bist: Lasst den Lift links liegen und nehmt lieber die Treppe. Erledigt kürzere Wege zum Einkaufen oder zu Verabredungen, wenn immer möglich, mit dem Velo oder zu Fuss
  • Wenn dein Kind den Schulweg zu Fuss geht, hat es schon einen erheblichen Anteil an Bewegung auf natürliche Weise in den Tag integriert
  • Geh regelmässig mit ihm auf Spielplätze, in den Wald, in die Berge…
  • Es muss nicht immer gleich ein (teurer) Sportverein sein: Spiel mit deinem Kind Ballspiele, geh ins Schwimmbad oder mach eine Velotour
  • Führe es langsam an eine sportliche Aktivität heran, die ihm gefallen könnte

Buch-Tipp

Das Buch «Essen kommen» von Jesper Juul zeigt, wie es gelingt, dass alle am Tisch sich wohl fühlen und warum eine gesunde, entspannte Ess- und Tischkultur die Lösung vieler Konflikte sein kann. Jetzt anschauen.

* Body-Mass-Index (BMI) = Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch Körpergrösse (in Metern) im Quadrat