So funktionieren Verhütungsapps

Immer mehr Frauen wollen von der Antibabypille weg und hin zu natürlicheren Verhütungsmethoden. Sogenannte Verhütungsapps erleben deshalb einen Boom. Erfahre hier, wie solche Verhütungsapps funktionieren, ob sie sich für dich eignen und welche weiteren Verhütungsmittel es gibt.

Tasia Abbatecola

Verhütungsapps

Es gibt inzwischen viele Methoden, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Die meistgenutzte ist noch immer die Antibabypille. Doch nicht alle Frauen sind dazu bereit, die möglichen Nebenwirkungen – Gewichtzunahme, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust etc. – dieser hormonellen Verhütung in Kauf zu nehmen. Deshalb steigen sie immer öfter auf die natürliche Verhütung, die sogenannte Temperaturmethode, um. Hier geht es darum, den eigenen Zyklus genauer kennenzulernen und so die fruchtbaren Tage herauszufinden. Dann wird entweder auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder mit Kondom verhütet. Bei der Berechnung helfen Verhütungsapps wie Natural Cycles oder Ovy. Doch wie genau funktionieren sie?

Verhüten mit der Temperaturmethode

Frauen sind bloss an wenigen Tagen im Monat fruchtbar. Und zwar am Tag des Eisprungs und bis zu 24 Stunden danach. Da Spermien jedoch zwischen 3 bis 5 Tage im weiblichen Körper überleben können, gelten auch schon die 5 Tage vor dem Eisprung als fruchtbare Tage. Dies sollte man bei der Berechnung berücksichtigen. Wer schwanger werden möchte, sollte also möglichst an den Tagen um den Eisprung Sex haben. Kennst du also den Zeitpunkt deines Eisprungs, kannst du deine fruchtbaren Tage berechnen. Verhütungsapps helfen dir dabei und machen sich dafür deine Körpertemperatur zu Nutze. In der ersten Zyklushälfte ist die Temperatur nämlich eher tief, steigt um den Eisprung herum merklich an und bleibt dann in der zweiten Zyklushälfte konstant hoch. Erst mit dem Einsetzen der Menstruation sinkt die Temperatur dann wieder.
Die meiste Arbeit nimmt dir eine Verhütungsapp und ein Basalthermometer mit zwei Dezimalstellen ab. Alles, was du tun musst, ist jeden Morgen – um möglichst die gleiche Zeit und nach mindestens sechs Stunden Schlaf – gleich nach dem Aufwachen deine Temperatur zu messen. Dafür legst du den Basalthermometer für ca. 60 Sekunden unter deine Zunge. Diese Aufwachtemperatur trägst du dann in die App ein und diese wertet die Daten für dich aus. Die meisten Apps zeigen dir die fruchtbaren Tage im Kalender dann als rot und die unfruchtbaren als grün an. Vorsicht: Verhütungsapps brauchen 3-5 Monate, um deinen Zyklus richtig kennenzulernen. Erst dann sind die Angaben der fruchtbaren Tage genau. Ausserdem schützen Verhütungsapps nicht vor Geschlechtskrankheiten, weshalb du auch an unfruchtbaren Tagen mit Kondom verhüten solltest.

Eignet sich die Temperaturmethode für mich?

Diese Methode eignet sich vor allem für disziplinierte Frauen mit regelmässigem Menstruationszyklus und Lebensrhythmus. In stressigen Zeiten, bei intensivem Sport oder auch auf Reisen kann der Zyklus unregelmässig werden, was die Verhütungsmethode dann natürlich weniger zuverlässig macht.
Wie sicher diese Verhütungsmethode ist, lässt sich am sogenannten Pearl-Index ablesen. Wenden 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel an und treten in diesem Zeitraum drei Schwangerschaften auf, so beträgt der Pearl-Index 3. Bei der Temperaturmethode liegt der Pearl-Index bei 0.8 bis 3. Zum Vergleich: Die Pille hat bei zuverlässiger Einnahme einen Pearl-Index von 0.1 bis 0.9.

Verhütungsmethoden im Überblick

Welche Verhütungsmethode am besten zu dir passt, hängt von deinen individuellen Körperbedürfnissen und auch deiner momentanen Lebenssituation ab. Bei jungen Frauen ist beispielsweise die Antibabypille trotz Hormone besonders beliebt, da sie als sehr sicheres  Verhütungsmittel gilt. Meist wird sie auch mit dem Kondom verbunden, welches als einziges Verhütungsmittel auch vor Geschlechtskrankheiten schützt. Den sogenannten Vaginalring kannst du dir sogar gleich selber einsetzen. Dieser wird monatlich während drei Wochen getragen, und funktioniert ähnlich wie das Hormonpflaster. Die Spirale wird von Frauenärzten in die Gebärmutter eingesetzt und kann dann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Die Spirale gibt es sowohl mit Hormonen, als auch ohne. Die hormonfreie Variante ist die sogenannte Kupferspirale, welche es auch als Kupferkette oder –perlenball gibt. Ihre Formen sind verschieden, die Funktion aber bleibt dieselbe: Das Kupfer sorgt dafür, dass die Samenzellen sich in der Gebärmutter nicht mehr so gut bewegen können. Sollte ein Spermium es doch zu einer Eizelle schaffen und sie befruchten, hindert das mechanische Hindernis sie daran sich in der Gebärmutter einzunisten. Bei der Wahl des richtigen Verhütungsmittels gibt es viele Faktoren zu beachten. Lass dich von deiner Frauenärztin am besten persönlich beraten.