Zeckenbiss – was tun? Richtig vorbeugen und behandeln

Zecken zählen nebst Mücken zu den grössten Krankheitsverbreitern weltweit. Die kleinen Blutsauger können zum Beispiel die gefährliche Frühsommermeningo-enzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Damit du dich sorglos in der Natur bewegen kannst, solltest du gewisse Schutzmassnahmen berücksichtigen.

Catherina Bernaschina

Die Zeckensaison ist wieder in vollem Gange. Und dieses Jahr sollen die kleinen Plagegeister besonders aktiv sein. In unseren Breitengraden sind Zecken temperaturbedingt von März bis spätestens November anzutreffen, wobei sie viel häufiger in tieferen als in höheren Lagen vorkommen. Weltweit gibt es ca. 900 Zeckenarten. Den Milbentieren gemein ist, dass sie sich vom Blut der Wirbeltiere ernähren, wozu auch Menschen, Hunde und Katzen zählen.
Bei uns in Mitteleuropa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) die häufigste Zeckenart. Der nur wenige Millimeter grosse Parasit hält sich mit Vorbliebe in Laubwäldern im Unterholz, in Waldlichtungen und an Waldwegen auf niedrig wachsenden Pflanzen auf, wo er auf seine Opfer lauert. Unbemerkt lässt er sich auf seinen Wirt gleiten und hakt sich mit seinem Mundwerkzeug an der Haut fest, sobald es zum Kontakt kommt.

Überträger von gefährlichen Krankheitserregern

Mit Zeckenbissen ist nicht zu spassen: Infektiöse Zecken können gefährliche virale und bakterielle Krankheiten wie FSME bzw. Zeckenenzephalitis (Enzephalitis = Gehirnentzündung) und Lyme-Borreliose oder die selteneren Krankheiten Ehrlichiosen und Rickettsiosen übertragen. Fachleute schätzen die Anzahl der jährlichen Borreliose-Erkrankungen in der Schweiz auf 9’000 bis 12’000. Die meldepflichtigen FSME-Fälle bewegen sich zwischen 100 und 250 pro Jahr, wobei die Fallzahlen seit 2005 zugenommen haben.

Risikogebiete

Zu den Risikogebieten für das von Zecken übertragene FSME-Virus zählen fast alle Kantone des Mittellands, mit Schwergewicht in den Kantonen Schaffhausen, Zürich, Thurgau und Bern. In diesen Kantonen sind 2 bis 3 Prozent der Zecken vom Virus befallen. Weitaus häufiger verbreitet ist die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose. Je nach Region tragen 25 bis 50 Prozent aller Zecken den Erreger in sich. Das Risiko, infiziert zu werden, ist aber gering. Und nur 0,3 bis 1,4 Prozent der Infizierten erkranken an Borreliose.

Schutzmassnahmen

Mit diesen Vorsichtsmassnahmen vor und nach einem Wald- und Wiesenaufenthalt kannst du das Erkrankungsrisiko senken:

  • Suche Körper und Kleidung nach Zecken ab. Je früher du sie entfernst, desto geringer ist die Gefahr einer Krankheitsübertragung
  • Trage abschliessende, helle Kleidung, die sich leicht absuchen lässt
  • Meide das Unterholz
  • Sprüh deine Haut mit Zeckenschutzmittel ein
  • Verwende Insektizide für die Kleider
  • Auch Hunde, Katzen und Pferde solltest du regelmässig nach Zecken absuchen. Ein Zeckenhalsband hilft, die Parasiten von Hunden fernzuhalten
  • FSME-Impfung: Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt sie für alle Personen ab 6 Jahren, die sich in Risikogebieten aufhalten (siehe Gefahrenkarte BAG → im Suchfeld eingeben: «FSME-Impfempfehlung»). Wirksam und zugelassen ist die Impfung aber schon ab 2 Jahren. Es lohnt sich, dies mit dem Kinderarzt zu besprechen. Die Impfung kann in vielen Kantonen in der Apotheke ohne Voranmeldung durchgeführt werden.
  • Lade dir die Zecken-App herunter. Sie weist auf besonders häufiges Zeckenvorkommen hin und unterstützt dich im Fall der Fälle mit einem Zeckentagebuch und weiteren Tipps.

Zeckenentfernung

Findest du eine Zecke an deinem Körper, solltest du rasch handeln: Erfasse die Zecke mit einer Pinzette nahe an der Haut und ziehe sie langsam und konsequent heraus (nicht drehen!). Danach desinfizierst du die Einstichstelle. Trage vor dem Entfernen keinesfalls Öl oder Alkohol auf. Die Zecke wird dadurch nur gestresst und könnte allenfalls ihren Mageninhalt und somit allfällige Bakterien oder Viren in die Stichwunde entleeren.

Wann du zum Arzt solltest

Längst nicht jeder Zeckenbiss führt zu einer Infektion und längst nicht jede Infektion ruft Symptome hervor. Einen Arzt aufsuchen solltest du auf jeden Fall, wenn folgende Symptome in den Folgewochen nach dem Zeckenstich bei dir auftreten:

  • Fieber
  • Grippeartige Beschwerden
  • Kopf-, Gelenk- und/oder Gliederschmerzen
  • Steifer Nacken
  • Übelkeit und Verdauungsbeschwerden
  • Rötungen um die Einstichstelle: Eine ringförmige rote Hautfärbung (Wanderröte) kann auf eine Borreliose-Erkrankung hinweisen.
  • Sinnesstörungen

Bei 70% der mit FSME infizierten Personen verläuft die Krankheit völlig ohne Symptome. Bei 5 bis 15% der Angesteckten kommt es zu einem schwerwiegenden Verlauf mit Beteiligung des zentralen Nervensystems. Lähmungen oder Hinrschädigungen können bei einem Teil zurückbleiben. In 0,5 bis 1% der Fälle mit neurologischen Symptomen endet die Krankheit tödlich. Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden.

Borreliose lässt sich hingegen im Frühstadium mit Antibiotika behandeln. Das Krankheitsbild ist aber sehr vielfältig und schwierig abzugrenzen. Eine unbemerkte und unbehandelte Infektion kann zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen. Deshalb gilt es, bei Zeckenstichen immer achtsam zu sein und bei Symptomen schnell zum Arzt zu gehen.